Nach einer statistischen Neuberechnung fallen in Indien hundert Millionen Menschen mehr unter die offizielle Armutsgrenze als bislang. Das Gutachten eines von der Regierung ernannten Expertengremiums stuft 363 Millionen Landesbewohner als arm ein. Dies entspricht rund 30 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Daten aus dem Zeitraum 2011 bis 2012 dienten als Grundlage für den Bericht. Die Armutsstatistik könnte eine Debatte über staatliche Hilfsprogramme in Indien auslösen, da mehrere Hundert Millionen Menschen kein Dach über dem Kopf und nicht ausreichend Nahrung haben.

Da der Bericht an die Medien durchgesickert ist, erhöht sich der Druck auf die neue Regierung von Ministerpräsident Narendra Modi, der in dieser Woche seinen ersten Haushaltsplan vorstellen will. In Auftrag gegeben worden war der Report noch von der Vorgängerregierung, die sich wegen ihrer umstrittenen Armutsdefinition massiver Kritik ausgesetzt sah.

Gemäß der Neuberechnung sind für das Leben in Dörfern mindestens 32 Rupien (39 Cent) und in Städten 47 Rupien (57 Cent) pro Tag nötig, um nicht als arm zu gelten. Dies ist deutlich mehr als das 2011 von der zuständigen Wirtschaftsplanungskommission empfohlene Niveau von 27 beziehungsweise 33 Rupien. Die offizielle Armutsgrenze wird zur Ermittlung des Anspruchs auf staatliche Sozialhilfen herangezogen, auf die viele der 1,2 Milliarden Bewohner Indiens angewiesen sind.