Sie reisen per Bahn aus der Schweiz ein, vorzugsweise nachts. "UMF" heißt im Behördenjargon diese Gruppe junger Menschen, die vor allem in Baden-Württemberg für zunehmende Ratlosigkeit sorgt. UMF, das steht für "Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge". Seit Jahren steigt ihre Zahl stark an, seit 2013 sprunghaft. Jetzt verlangen erste süddeutsche Städte wie Freiburg von der Landesregierung Entlastungshilfen. 

Es gibt einen Bundesfachverband für Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge. Der schätzt, dass aktuell zwischen 7.000 und 9.000 junger Menschen unter 18 Jahren aus Flüchtlings- und Armutsländern in Deutschland leben, viele von ihnen sollen sich versteckt halten. Gesichert ist die Zahl derer, die allein im vergangenen Jahr von deutschen Jugendämtern in Obhut genommen wurden. Es waren 5.548 Minderjährige. Sie stammen nach Angaben des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge vor allem aus Syrien, Somalia und Afghanistan. "Schon seit 2008 ist ein bundesweiter Anstieg bei der Zahl der unbegleiteten Minderjährigen zu beobachten", sagt eine Sprecherin. Alle Trendmeldungen aus diesem Jahr deuten darauf hin, dass es 2014 wieder mehr werden.

Vor allem Baden-Württemberg ist betroffen. Kein anderes Flächenland verzeichnet zurzeit mehr illegale Einreisen von Minderjährigen. 408 sogenannte "Inobhutnahmen" hat es hier 2013 gegeben – ein Jahr zuvor waren es noch 271. "Die Thematik ist uns klar", sagt ein Sprecher des Stuttgarter Integrationsministeriums. Die Flüchtlinge hätten ganz offenbar die "Zugeinfahrschneise" Rheintalbahn entdeckt. Die viel befahrene Schienenstrecke führt von Basel nordwärts über Freiburg, Baden-Baden und Karlsruhe bis Mannheim.

Am nächsten Bahnhof aussteigen

Innerhalb des deutschen Grenzraums sind Stichprobenkontrollen der deutschen Bundespolizei in Zügen allerdings besonders intensiv. So liegt nahe, dass hier besonders viele illegale Einwanderer abgefangen werden. In Freiburg hat das Jugendamt allein in den vergangenen sechs Monaten 87 neue Fälle übernehmen müssen – mehr als im ganzen vorherigen Jahr. Der Freiburger Kultur- und Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach fordert jetzt von der Landesregierung, sie solle endlich einen Schlüssel erarbeiten, nach dem die aufgegriffenen Jugendlichen übers ganze Land verteilt werden können. Nach Auskunft des Stuttgarter Integrationsministeriums ist darüber noch nicht entschieden.     

Treffen Kontrolleure einen minderjährigen Flüchtling ohne Papiere in einem Zugabteil an, müssen sie mit ihm am nächsten Bahnhof aussteigen und das dort zuständige Jugendamt informieren. Das gilt auch, wenn die Person älter aussieht, aber behauptet, minderjährig zu sein. Was dann folgt, nennt der Paritätische Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg ein unseliges Aufeinanderprallen von Ausländerrecht und Jugendhilferecht – zulasten der jungen Flüchtlinge. Es komme zu "Abschreckung" und einer "Verschärfung der Existenzängste", kritisiert die Verbandsfachfrau Marlene Seckler.