Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, sieht jüdische Mitbürger in Gefahr. Nach einem Brandbombenanschlag auf die Synagoge in Wuppertal rät sie allen Juden in Deutschland, sich derzeit "nicht als Jude erkennbar zu machen". Das Risiko, Ziel eines Angriffs zu werden, sei sonst zu groß, sagte sie dem Kölner Stadt-Anzeiger. Die "hemmungslose Judenhetze" habe laut Knobloch in Deutschland "eine neue Qualität erreicht".

In der Nacht zum Dienstag sollen drei Männer mehrere Molotowcocktails auf die Synagoge in Wuppertal geworfen haben. Bei dem Anschlag wurde Ermittlern zufolge niemand verletzt. Einen verdächtigen 18-Jährigen nahm die Polizei in Gewahrsam, die beiden anderen mutmaßlichen Täter konnten fliehen. Auch in anderen Ländern kam es zu Anschlägen auf jüdische Einrichtungen. In Rom wurden Drohungen, antisemitische Parolen und Hakenkreuze an Dutzende jüdischer Geschäfte gesprüht.

"Was wir derzeit erleben, ist die kummervollste und bedrohlichste Zeit seit 1945. Bei uns stehen die Telefone nicht still, die Mail-Postfächer quellen über – wir sind konfrontiert mit Beleidigungen und Hassparolen," sagte Knobloch dem Kölner Stadt-Anzeiger. Dass Juden "in unserem Land wieder angegriffen und beleidigt werden, dürfen wir niemals akzeptieren. Spätestens wenn Synagogen brennen, ist es doch Zeit für alle Verantwortlichen zu fragen: Was müssen wir tun, um jüdische Mitbürger zu schützen?", sagte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern.

Kundgebungen gegen die israelische Offensive in Gaza sieht Knobloch missbraucht: "Da wird auch der Nahost-Konflikt missbraucht, um Judenhass auszuleben. Das ist radikaler Hass. Diesen gibt es, und das hätte ich mir nie vorstellen können, dass wir so etwas noch einmal in Deutschland erleben müssen."

Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden fordert mehr Unterstützung der jüdischen Mitbürger aus der Mitte der Gesellschaft. "Wer jetzt schweigt, bejaht, was geschieht", sagte Knobloch. Auch von den Bundesländern erhofft sich Knobloch, dass sie die Sicherheitsmaßnahmen auf das höchste Niveau anheben.