Mehr als 700 Millionen Frauen leben weltweit in einer Zwangsehe. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (Unicef) teilte mit, dass mehr als 250 Millionen dieser Frauen bei der Eheschließung nicht älter als 15 Jahre waren. In den vergangenen drei Jahrzehnten seien diese Zahlen kaum zurückgegangen. Der Kampf gegen Kinderehen und Genitalverstümmlung ist eines der Hauptthemen auf dem ersten Mädchengipfel 2014, dessen Schirmherr der britische Regierungschef David Cameron ist.

In den vergangenen Jahren sind nach Angaben von Unicef weniger Frauen und Mädchen zu Opfern von Genitalverstümmlung geworden. Die äußeren Geschlechtsorgane von 130 Millionen Frauen sind den Berichten zufolge ganz oder teilweise entfernt. Das Risiko einer Heranwachsenden, beschnitten zu werden, ist heute um ein Drittel niedriger als vor 30 Jahren.

Die Praxis ist in 29 arabischen und afrikanischen Ländern Tradition. Dort werden die Mädchen unter meist unhygienischen Bedingungen und ohne Betäubung mit Rasierklingen oder Messern beschnitten. Daraus können Infektionen, schwere Blutungen, Unfruchtbarkeit und Geburtsrisiken für Mutter und Kind entstehen. Besorgniserregend ist außerdem, dass Beschneidungen vor allem dort üblich sind, wo die Bevölkerung stark wächst, und die absolute Zahl an beschnittenen Mädchen in Zukunft deshalb wieder zunehmen könnte.

Unicef berichtet auch über die Folgen, die eine frühe Zwangsverheiratung für Frauen nach sich ziehen kann. Wenn Mädchen unter 18 Jahren verheiratet werden, brechen sie demnach häufiger die Schule ab als andere und erfahren zudem öfter häusliche Gewalt. Wenn sie als Teenager schwanger werden, sterben sie häufiger in der Schwangerschaft und im Wochenbett, verglichen mit volljährigen Frauen. Fast die Hälfte der Kinderbräute lebt den Berichten zufolge in Südasien, aber mit 77 Prozent ist das Land mit dem höchsten Anteil an Kinderehen das afrikanische Niger.

Auf dem Mädchengipfel besprechen Unicef und die britische Regierung Strategien gegen die Unterdrückung von Mädchen. Cameron sagte zum Auftakt: "Machen wir ein für alle Mal Schluss mit diesen Praktiken." Alle Mädchen hätten ein Recht auf ein Leben frei von Zwang und Gewalt, betonte der Regierungschef.