Mediziner nehmen eine Blutprobe bei einer Patientin. © Tommy Trenchard/Reuters

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verstärkt mit einem 100-Millionen-Dollar-Programm (rund 75 Millionen Euro) den Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika. Mithilfe des Aktionsplans, der heute auf einem Krisengipfel in der Hauptstadt Guineas gestartet werden soll, kann beispielsweise deutlich mehr medizinisches Personal eingesetzt werden.

Bei dem Treffen wollen Präsidenten westafrikanischer Staaten mit WHO-Generaldirektorin Margaret Chan Schritte für einen intensiveren Kampf gegen die Seuche erörtern. "Das Ausmaß des Ebola-Ausbruchs und die davon ausgehende Gefahr machen es notwendig, dass die WHO sowie Guinea, Liberia und Sierra Leone die Gegenmaßnahmen erheblich verstärken", sagte Chan. Am dringendsten sei der Einsatz weiterer Ärzte und Krankenschwestern, Seuchenexperten, Logistiker sowie Sozialarbeiter. Das Virus sei nicht zu stoppen, lokale Gesundheitsbehörden seien überfordert, sagte Mariano Lugli, Koordinator von Ärzte ohne Grenzen, in Genf: "Die Lage ist außer Kontrolle."

Angesichts der fortschreitenden Ausbreitung des Ebola-Virus erklärte auch Sierra Leone den nationalen Notstand. Präsident Ernest Bai Koroma will die Seuche unter Kontrolle bekommen, indem er etwa große Gebiete im Osten des Landes unter Quarantäne stellt.

Das Nachbarland Liberia hatte bereits am vergangenen Wochenende den Notstand ausgerufen und seine Grenzen geschlossen. Ausnahmen sind lediglich zwei Flughäfen und drei andere Grenzpunkte, an denen aber Zentren eingerichtet wurden, um Ein- und Ausreisende auf eine mögliche Erkrankung zu prüfen. Am Mittwoch hatte Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf die Schließung aller Schulen des Landes angeordnet. Auch sollen die Märkte in Grenzregionen geschlossen werden. Der heutige Freitag wurde offiziell zum Ferientag erklärt, um alle öffentlichen Gebäude desinfizieren zu können. 

Ausreise für zwei US-Bürger

Die USA gaben eine Reisewarnung für die drei afrikanischen Staaten Guinea, Liberia und Sierra Leone heraus. Zwei in Westafrika an Ebola erkrankte US-Bürger sollen zur Behandlung in die Vereinigten Staaten ausgeflogen werden. Ein entsprechend ausgestattetes Charterflugzeug sei auf dem Weg nach Liberia, um die beiden – einen Mann und eine Frau – an Bord zu nehmen, berichtete der US-Sender CNN. Die Amerikaner seien in einem ernsten, aber stabilen Zustand.

Erste Ebola-Fälle waren in Guinea im März registriert worden, rückblickend wurde darauf geschlossen, dass es schon im Dezember 2013 erste Infektionen gab. Rasch wurden auch Liberia und Sierra Leone erfasst. Es handelt sich um den schwersten Ausbruch der Krankheit seit ihrer Entdeckung im Jahr 1976. Auch ist es die erste Epidemie mit dem gefährlichen Zaire-Ebolavirus in Westafrika.

Etwa 730 Menschen starben laut WHO bis zum 27. Juli an dem Erreger – mehr als jeder zweite erfasste Infizierte. Es gibt noch keine zugelassene Impfung gegen Ebola und keine Therapie. Die einzigen Gegenmittel sind bisher Aufklärung der Bevölkerung, Isolierung der Kranken und die hartnäckige Überwachung aller Menschen, die mit Patienten Kontakt hatten.

Kurz erklärt - Wie das Ebola-Virus sich verbreitet