Bei einer Flüchtlingskatastrophe vor der libyschen Küste sind nach Angaben der Marine mehr als 200 Menschen ertrunken. Die Suche nach Überlebenden geht weiter. Bislang hätten nur 17 Menschen gerettet werden können, sagte ein Sprecher der libyschen Marine. Bei den Flüchtlingen handele es sich um afrikanische Migranten. Sie hätten versucht, das Mittelmeer in einem kleinen Holzboot zu überqueren.    

Das Boot war bereits am Freitagabend östlich der Hauptstadt Tripolis nahe der Ortschaft Guarakusi gekentert. Fischer hätten die libysche Küstenwache am Samstag auf das Unglück aufmerksam gemacht, sagte der Sprecher der Marine. Zunächst hieß es, es hätten sich 170 Menschen an Bord befunden. Offenbar waren es aber deutlich mehr, nach derzeitigem Stand mindestens 217.    

Die libysche Küstenwache habe nur ein Patrouillenboot für die Suche zur Verfügung. Über die Nationalität der Opfer gab es zunächst keine gesicherten Erkenntnisse. Der Sprecher der Küstenwache vermutete, dass die Flüchtlinge unter anderem aus Somalia und Eritrea kamen.

Die italienische Marine hatte in den vergangenen Tagen nach eigenen Angaben Tausende Flüchtlinge auf See gerettet. 18 Menschen seien südlich der Insel Lampedusa tot aufgefunden worden.

Italien ist durch die vorgelagerte Insel Lampedusa häufig erste Anlaufstelle für afrikanische Flüchtlinge. Der Regierung in Rom zufolge sind 2014 bereits mehr als 100.000 Menschen auf diesem Weg in das EU-Land gekommen. Menschenschmuggler wählen häufig die Route von Libyen aus. Das nordafrikanische Land versinkt seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi in politischem Chaos.