Auf dem Sommerfest hat es wieder Bowle gegeben, Pfirsich und Ananas, und eigentlich hatte Erika die nur für die Frauen gemacht, aber die Männer haben dann doch wieder ziemlich viel davon getrunken, wie jedes Jahr. Sie standen unter dem Pavillon, die Nachbarn der drei Häuser in der Beermannstraße, die immer noch jedes Jahr zusammen feiern. Uwe war da und Moni. Ein paar Neue, die sie noch nicht kannten, aßen Kartoffelsalat. Klaus war nicht gekommen.

Es gab eine Zeit, in der die ganze Beermannstraße Sommerfest feierte, nicht nur die Nummern 14, 16 und 18, die mit ihren Innenhöfen und dem gemeinsamen Garten wie ein einziges Haus wirken. Eine Zeit, in der Lichterketten über das Kopfsteinpflaster gespannt wurden und Kinder mit Wasser aus Feuerwehrschläuchen schießen durften. Das war die Zeit, als Berlin-Treptow und die elf Häuser der Beermannstraße zur DDR gehörten. Als der Wohnbezirksausschussvorsitzende das Fest plante, Uwe noch nicht da war und Klaus noch mitfeierte.

Es war eine Zeit, in der man sich kannte in der Beermannstraße. In der man zusammengehalten hat, sagen die einen. In der man aufpassen musste, was man wem gesagt hat, sagen die anderen. Und wieder andere können über damals gar nichts sagen, denn sie waren noch gar nicht da, die Wessis. Die Frage nach der Gemeinschaft in der Beermannstraße ist auch eine Frage der Blickrichtung.

Wenn Klaus Behrend von seinem Balkon an der sanierten Altbaufassade hinunterblickt, über die dicht geparkten Autos, den schmalen Bürgersteig, die Lindenbäumchen gegenüber, dann sieht er am Ende der Straße das ehemalige Gebäude des Grenzregiments 33. Die Beermannstraße war zu DDR-Zeiten grenznahes Gebiet, nicht weit entfernt von den West-Stadtteilen Neukölln und Kreuzberg. In dieser Zeit wurden Mieter nicht durch den Zufall zusammengebracht, sondern durch die staatliche Wohnraumlenkung – vor allem wer im Vorderhaus wohnen wollte, wurde genau überprüft.

Eine Sitzung des Wohnbezirksausschusses in Berlin-Treptow Ende der achtziger Jahre. Klicken Sie auf das Bild, um zur Fotostrecke zu gelangen. © Wolfram Hornbogen

Behrend bestand diese Prüfung, er war Mitglied der SED und führte eine "vorbildliche sozialistische Ehe", wie er später in seiner Stasi-Akte lesen konnte. Er wurde auch für tauglich befunden, die Sache der Mieter im Bauausschuss zu vertreten, als die grauen und schmuddeligen Arbeiterhäuser der Beermannstraße 1987 in einem Großprojekt saniert wurden. Für Fernsehantennen auf den Dächern hat er da gesorgt. Und über das Muster der Tapeten mitentschieden.