Peter Scholl-Latour ist im Alter von 90 Jahren gestorben, wie die Ullstein-Buchverlage mitteilten. Er starb am Samstag in Rhöndorf am Rhein nach schwerer Krankheit. Scholl-Latour war mit Reportagen über ferne Länder bekannt geworden und schrieb Bestseller wie Der Tod im Reisfeld. Er hatte auch als Fernsehreporter aus zahlreichen Konfliktgebieten berichtet.

Der Propyläen-Verlag würdigte Scholl-Latour als einen "der Großen des deutschen Journalismus". Er habe "Kriege und Bürgerkriege unserer Zeit von Algerien über Vietnam bis zum Irak und Afghanistan aus nächster Nähe kennengelernt" und den Deutschen die arabische Welt, Asien und Afrika nähergebracht. Viele seiner mehr als 30 Bücher erzählen von Krisen, Konflikten und Kriegen. Damit landete er fast immer Bestseller.

Scholl-Latour wurde am 9. März 1924 in Bochum geboren. Seine elsässische Mutter entkam als Jüdin knapp der Deportation. Er ging im schweizerischen Fribourg in ein Jesuitenkolleg. 1945 geriet er kurzzeitig in Gestapo-Haft. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges meldete er sich bei einer französischen Elite-Einheit und kämpfte als Fallschirmspringer in Indochina. 

Seit 1950 war Scholl-Latour als Journalist tätig und bereiste die Welt. Er berichtete aus dem Dschungel über den Vietnamkrieg, wurde Gefangener der Vietcong-Guerilla, zog mit den Mudschahedin durch Afghanistan. Sein 1979 erschienenes Buch Der Tod im Reisfeld über den Vietnamkrieg wurde sein größter Erfolg. Seit Ende der 1980er Jahre arbeitete er als freischaffender Publizist.

Scholl-Latour veröffentlichte zahlreiche Sachbücher, in denen er die Beschreibung historischer Entwicklungslinien mit journalistischen Schilderungen verband – eine Arbeitsweise, die ihm zuweilen auch Kritik und den Vorwurf der Vereinfachung eintrug. Sein letztes Buch Der Fluch der bösen Tat. Das Scheitern des Westens im Orient soll nach Angaben des Propyläen Verlags im September erscheinen.