Trauer um den in Missouri erschossenen Jugendlichen Michael Brown in New York © Eduardo Munoz/Reuters

LZ Granderson fühlte sich schmerzlich in die sechziger Jahre zurückversetzt, als er zu Beginn der Woche die Bilder aus der Kleinstadt Ferguson im US-Bundesstaat Missouri sah. "Polizisten in voller Kampfmontur, die Hunde auf schwarze Demonstranten loslassen – das erinnert nur allzu sehr an Alabama im Jahr 1965."

Der afroamerikanische Kommentator für den Nachrichtensender CNN war nicht der Einzige in den USA, der während der Ereignisse der vergangenen Tage an die schwersten Zeiten des Kampfes für Bürgerrechte für schwarze Amerikaner vor fast 50 Jahren denken musste. Nach dem Tod des unbewaffneten schwarzen Jugendlichen Michael Brown durch eine Polizeikugel am vergangenen Sonntag macht sich in Amerika zunehmend das Gefühl breit, dass sich an der Lage der Schwarzen im Land seit den Tagen von Martin Luther King fundamental nichts geändert hat: "Es wird für uns nie Gerechtigkeit geben", schrieb Mychal Denzel Smith in seinem Blog für die politische Wochenschrift The Nation. "Der Tod von Michael Brown zeigt uns einmal mehr, dass wir in diesem Land einfach nicht erwünscht sind."

Offiziell ist die Ursache von Browns Tod noch nicht geklärt. Die beteiligten Polizisten behaupten, eine Pistole sei während eines Handgemenges der Beamten mit Brown versehentlich losgegangen. Dorian Johnson, der Freund und Begleiter Browns an jenem Abend, hat jedoch eine dramatisch andere Version der Ereignisse. Laut Johnson hatten die Polizisten die beiden schwarzen jungen Männer, die auf dem Nachhauseweg waren, grundlos schikaniert. Als ein Beamter dann versuchte, Brown in den Polizeiwagen zu zerren, riss dieser sich los und begann wegzulaufen. Daraufhin eröffnete der Polizist, dessen Identität bislang nicht preisgegeben wird, das Feuer. Als Brown von den tödlichen Schüssen getroffen wurde, habe er laut Johnson bereits die Arme in die Luft gestreckt gehabt, um sich zu ergeben.

Die Demonstrationen in Ferguson und in den gesamten USA, wo sich auf den Straßen vieler Städte der Zorn über den Vorfall Bahn bricht, neigen offensichtlich dazu, Johnsons Version zu glauben. Und das aus gutem Grund: Allein die Ereignisse der vergangenen Wochen zeigen einen tief verwurzelten institutionellen Rassismus der amerikanischen Ordnungskräfte.

Serie rassistischer Angriffe der Polizei

So starb am 17. Juli im New Yorker Stadtteil Staten Island der 43 Jahre alte Eric Garner, während Polizisten ihn auf der Straße niederrangen. Auf der Videoaufnahme eines Zeugen ist klar zu erkennen, dass Garner die Beamten nicht attackiert hatte und dass er sich auch nicht zu Wehr setzte, als er angegriffen wurde.

Wenige Tage später wurde in Dayton im Bundesstaat Ohio der 22 Jahre alte John Crawford von Polizisten erschossen. Crawford war gerade dabei, in einem Walmart eine Spielzeugpistole für seinen Sohn auszusuchen. Und am vergangenen Dienstag, zwei Tage nach dem Tod von Michael Brown, wurde in Los Angeles der 25 Jahre alte, geistig behinderte Ezell Ford von der Polizei erschossen. Laut Augenzeugen wurde Ford ohne Vorwarnung angegriffen, auf den Boden geworfen und in den Rücken geschossen. Einen begründeten Verdacht gegen ihn gab es nicht, außer, dass er in einer "Problemgegend" lebte.