Paulo Maia ist ein freundlicher grauhaariger Brasilianer; er lächelt viel, berührt seine Gesprächspartner vertraulich am Arm und nennt sie rasch Amigo. Sogar dann, wenn sie hin und wieder gegrillte Hähnchen essen. "Sie trauen sich sowas, aha", sagt Paulo Maia und lächelt fröhlich weiter. "Sie sind ein mutiger Mann. Sie verzehren das kranke, tote Fleisch eines Tieres, das stundenlang in seinen eigenen Exkrementen lag, vollgestopft mit Chemikalien, damit es nicht verdirbt. Dem man sein Recht auf ein Leben verweigert hat, das monatelang in einem Käfig saß und sich bloß noch auf den Tod gefreut hat. Aber bitte. Ich bin da tolerant."

Paulo Maia hat klare Ansichten, das merkt man sofort. Der Kellner des kleinen Parkcafés in Rio de Janeiro, das Maia für unser Gespräch ausgesucht hat, muss mehrfach kommen, er bringt Kaffee und Wasser, während Maia über die Tiere und die Politik, die Kirchen und die brasilianische Kultur redet. Fast könnte man ihn für einen Schwätzer halten, aber dann läge man völlig falsch: Maia gehört zu den radikalsten Umweltschützer in seinem Land – und ein paarmal schon hat er für seine Überzeugungen fast mit dem Leben bezahlt. "Umweltschützer müssen in diesem Land sehr streitbar sein", sagt Maia. "Umweltschützer, die nicht nur ein bisschen daherreden, die es wirklich ernst meinen."

Der erste Anschlag auf sein Leben war 1985, da wollten sie ihn in einem Amazonasstädtchen mit einem Buschmesser abstechen. Er hatte eine Bande illegaler Holzfäller angezeigt, ungeschickterweise beim örtlichen Chef der Umweltbehörde, der sich später als der Boss der Holzmafia herausstellte. Der zweite war 1995, da haben sie in der Nähe von Rio de Janeiro auf ihn geschossen, nachdem sie ihn in einen Hinterhalt gelockt hatten. Er habe wohl zu viel über illegale Abwassereinleitungen in nahe gelegene Seen gewusst, sagt Maia. In beiden Fällen konnte er fliehen.

Zwei Aktivisten wurden ermordet

"Aber wir haben nicht alle so viel Glück", sagt er. "Kürzlich erst haben wir zwei unserer Soldaten verloren", sagt Maia, und er sagt tatsächlich "Soldaten". Er meint die Lehrerin Maria do Espírito Santo da Silva und den Umwelt-Aktivisten José Claudio Ribeiro, die 2011 im Amazonas-Bundesstaat Pará überfallen, gefoltert und brutal ermordet wurden. Aus Rache offenbar, weil sie jahrelang die illegale Holzfällerei in ihrer Umgebung dokumentiert und angezeigt hatten.

Paulo Maia, 50 Jahre alt und von Beruf ein Schauspieler, Journalist und Manager von Kulturveranstaltungen, leitet den brasilianischen Tierschutzverein SOS Aves e Cia, was ungefähr so viel heißt wie "Vögel und vieles andere mehr in Not". Der Posten ist ein Ehrenamt, "aber eigentlich schiebe ich 24 Stunden Dienst am Tag und bin immer zu erreichen", sagt Maia. Aves e Cia hat über die Jahre ein Netz aus 20.000 freiwilligen Helfern im Lande aufgebaut, die Gruppe unterhält an mehreren Orten tierärztliche Zentren, Aufzucht- und Aussetzstationen für Papageien und Faultiere, Krebse und Affen und sogar Pinguine, die gelegentlich der Strömung wegen in Ipanema stranden.