Mariam Mohamadou spricht in ihrer Küche über Hygiene. © Tanja Schreiner

In Yopougon, einem der ärmsten und bevölkerungsdichtesten Stadtteile im Westen Abidjans, kniet die siebenjährige Doromanie im Hof vor einem Wassereimer. Großzügig schäumt sie ihrer Cousine die kleinen Händchen mit einem Stück Seife ein. "Man sagt, es gibt Ebola, du musst dir gut die Hände waschen", klärt sie die zweijährige Mimi auf, die sie mit ihren großen dunklen Kulleraugen staunend ansieht. In der Schule hat der Lehrer mit den Kindern über Ebola gesprochen. "Du blutest, du musst dich übergeben, du hast Durchfall und Fieber", Doromanie zählt alle Symptome der Krankheit auf. Wenn das Mädchen nicht in der Schule ist, verbringt sie den Tag mit den Frauen der Familie zu Hause vor dem Fernseher – das wohl wichtigste Medium in dem westafrikanischen Land, in dem nach Angaben des aktuellen Berichts über die menschliche Entwicklung der Vereinten Nationen rund 43 Prozent der Bevölkerung nicht lesen können.

Mit Fernsehkampagnen gegen Ebola

Seit einigen Wochen zeigt der ivorische Staatssender RTI in jeder Werbepause einen Aufklärungsspot zum Thema Ebola. Doromanie kennt ihn bereits auswendig: "Sie sagen, dass Ebola tötet. Deshalb sollen wir kein Wildfleisch mehr essen, keine toten Sachen anfassen und uns nicht mehr die Hände geben", erklärt die Kleine. Das mit dem Hände geben sei gar nicht so einfach, ihre Klassenkameraden wollten ihr weiterhin die Hand geben. "Aber ich mache das nicht, ich sage Guten Tag und das ist alles!", sagt sie bestimmt.

"Sie hat uns alle auf Ebola aufmerksam gemacht", sagt Mariam Mohamadou und sieht lachend zu ihrer Enkelin hinüber. Die Großmutter sitzt auf einem Holzhocker und schält Kartoffeln für das Mittagessen. Zehn Personen muss sie satt bekommen: ihren Mann, seine erste Frau, die Urgroßmutter, zwei Cousins, drei Kinder und zwei Enkel – eine typische muslimische Großfamilie. Seit sie von Ebola gehört habe, achte sie noch mehr auf Hygiene, sagt Mariam und deutet auf die Toilettenkabine im Hof. Nach jedem Besucher, der die Toilette benutzt, desinfiziert sie alles von oben bis unten mit Eau de Javel. Wenn ihr Mann und die Kinder von der Arbeit nach Hause kommen, verlangt sie, dass sie sich sofort die Hände waschen. "Die Krankheit macht mir viel Angst", gesteht Mariam. Sie hofft, dass man bald ein Heilmittel findet.

Mehr als 2.000 Tote in sechs Monaten

Täglich sterben weitere Menschen in den am schwersten betroffenen Ländern in Westafrika hinzu. Auch wenn der Virus offiziell noch nicht in der Elfenbeinküste angekommen ist, gibt es immer wieder Verdachtsfälle. Am Wochenende wurde in Yopougon eine Person aus Guinea mit Verdacht auf Ebola in die Isolierstation eingeliefert. In der vergangenen Woche gingen Meldungen über einen potenziellen Fall in der Hauptstadt Yamoussoukro durch alle Medien.

Bereits Anfang August hat die Elfenbeinküste aus Angst vor der Ausbreitung der Epidemie alle ankommenden Flüge aus betroffenen Staaten gestrichen. Wenige Tage später ließ die ivorische Regierung die Grenzübergänge zu den Nachbarländern Liberia und Guinea abriegeln. Am Flughafen der Wirtschaftsmetropole Abidjan wurden die Kontrollen verschärft: Jeder ankommende Reisende wird per Infrarot auf Fieber getestet und muss sich mit einem antibakteriellen Gel die Hände desinfizieren.

Läuft man durch Abidjan, ist es fast unmöglich, nicht von Ebola zu hören. An allen größeren Straßen hängen Plakate, die die Bevölkerung zur Vorsicht aufrufen. Restaurants haben aus Angst vor dem Virus Wildfleisch, Meerschweinchen und Schnecken von der Speisekarte gestrichen. In Kirchen, Moscheen und Banken ist es mittlerweile verboten, sich die Hand zu geben. Im Fernsehen und im Radio werden Aufklärungskampagnen in Dauerschleife gesendet. Auch in den sozialen Medien engagieren sich Bürger für die Sensibilisierung gegen Ebola. "Stop Ebola", ein Aufklärungslied im Reggae-Stil verbreitet sich seit einigen Wochen viral über YouTube. Das Ministerium für Gesundheit und Kampf gegen Aids schickt SMS-Nachrichten an alle Bürger: "Das Ebola-Risiko ist real. Vermeiden Sie den Kontakt mit Tieren und Kadavern."