Im stark von der Ebola-Epidemie betroffenen Sierra Leone haben Polizei und Helfer während einer dreitägigen Ausgangssperre in der Region der Hauptstadt Freetown nach unterschiedlichen Angaben zwischen 70 und 92 Leichen geborgen. Die Toten seien von den Freiwilligenteams beerdigt worden, sagte die stellvertretende Leiterin der Gesundheitsdienste, Sarian Kamara. Bis zum Sonntagmorgen seien zudem 22 neue Fälle von Ebola-Erkrankten gemeldet worden. 

Rund sechs Millionen Bürger des Landes durften ihre Häuser vom 18. bis zum 21. September nicht verlassen. Zehntausende Helfer gingen in den drei Tagen von Haus zu Haus, um darüber zu informieren, wie man sich gegen eine Ansteckung schützen kann. Die Straßen der Hauptstadt Freetown waren während des Ausgehverbots fast leer, die meisten Anwohner hielten sich an die Anordnungen, die am Sonntagabend enden sollten. Allerdings erwägen die Behörden mittlerweile eine Verlängerung. "Es besteht die hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Quarantäne ausgeweitet wird", sagte Stephen Gaojia, Leiter der zuständigen Notfallzentrale, nach einem Treffen mit Präsident Ernest Bai Koroma. 

Unter den Anwohnern der Elendsviertel in Freetown wuchs am Sonntag der Ärger über Engpässe bei Lebensmitteln. Die meisten können sich keine Lebensmittelvorräte über den Tag hinaus leisten. Doch die Aufklärungsteams brachten während der Ausgangssperre nur Seife, nicht aber Essbares mit.

Experten und Nichtregierungsorganisationen bezweifeln zudem, dass es den insgesamt 30.000 Helfern gelungen ist, in drei Tagen alle 1,5 Millionen Haushalte zu erreichen. Gesundheitsbeamtin Kamara sagte mit Blick auf Kritik, die Ausgangssperre sei "auf dem Weg", ihr Ziel zu erreichen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch bezeichnete die vielfach kritisierte Maßnahme der Regierung dagegen als "PR-Aktion".

Von den insgesamt mehr als 2.600 Ebola-Toten in Westafrika stammt mehr als die Hälfte aus Sierra Leones Nachbarland Liberia. Dort kündigte die Regierung an, die Behandlungskapazitäten in der Hauptstadt Monrovia deutlich zu erhöhen. "Menschen werden abgewiesen, weil es keinen Platz gibt", sagte Informationsminister Lewis Brown. Deshalb werde die Anzahl der Betten bis Ende Oktober von 250 auf 1.000 erhöht.