Studenten an Universitäten im US-Bundesstaat Kalifornien müssen den Partner vor dem Sex künftig ausdrücklich um Zustimmung bitten. Mit dem "Yes-means-Yes"-Gesetz, das der kalifornische Gouverneur Jerry Brown in der Nacht zum Montag in Kraft setzte, sollen sexuelle Übergriffe auf dem Campus bekämpft werden. Sexualpartner müssen demnach vor dem Akt "freiwillig" und "im Besitz des Bewusstseins" ihr Einverständnis kundtun, entweder mit Worten oder durch ein Nicken.

Dem Gesetz zufolge kann die verlangte Zustimmung nicht von jemandem gegeben werden, der schläft oder durch Alkohol, Drogen und Medikamente die Beherrschung über sich verloren hat. Dass sich jemand nicht ausreichend wehrt, kann nicht mehr als Einverständnis gewertet werden. Die Universität von Kalifornien begrüßte die schärferen Regeln. Die klare Definition der Einwilligung zum Sex sei "ein extrem wichtiger Faktor" bei der Verfolgung von sexueller Gewalt auf dem Universitätsgelände, sagte eine Sprecherin.

Sofie Karasek, eine Aktivistin an der Universität von Kalifornien, zeigte sich im Gespräch mit der Zeitung San Jose Mercury News erfreut über das Gesetz: "Es verändert die Wahrnehmung, was eine Vergewaltigung ist", sagte sie. "Es gibt die weitverbreitete Vorstellung, dass es nicht wirklich zählt, solange es nicht extrem gewalttätig ist." Das neue Gesetz stößt jedoch auch auf Kritik. Die Organisation National Coalition for Men bezeichnete "Yes means Yes" als männerfeindlich. Das Gesetz sei eine Lizenz für falsche Anschuldigungen, verweigere den Beschuldigten ein ordentliches Verfahren, werde den Staat Hunderte Millionen Dollar in Gerichtsverfahren kosten und schaffe beste Voraussetzungen, um das Leben Unschuldiger zu ruinieren. 

Schätzungen zufolge wird in den Vereinigten Staaten jede fünfte Studentin Opfer eines sexuellen Übergriffs. "Von diesen Angriffen werden nur zwölf Prozent gemeldet", sagte US-Präsident Barack Obama, als er vor einigen Wochen eine Kampagne gegen die "stillschweigende Duldung" von sexueller Gewalt auf dem Campus startete.