In Wuppertal hat eine selbst ernannte "Scharia-Polizei" Passanten verunsichert. Eine Gruppe Islamisten sei nachts in orangen Westen mit dem Aufdruck "Shariah Police" durch die Innenstadt patrouilliert, teilte die Polizei mit. Aus einem im Internet verbreiteten Video geht laut Polizei hervor, dass sie unter anderem versuchten, Menschen vom Besuch einer Spielothek und vom Trinken abzuhalten. Zudem sei versucht worden, andere "zu missionieren". Nach Informationen der WAZ versuchten sie, Jugendliche daran zu hindern, eine Disco zu besuchen.

Bei den Männern im Alter von 19 bis 33 Jahren handele sich um Anhänger der Salafisten-Szene, die der Polizei bereits bekannt seien. Gegen elf Personen sei ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz eingeleitet worden. Festgenommen wurden sie nicht, es habe rechtlich auch keine Handhabe gegeben, die Westen sicherzustellen, hieß es von der Polizei. 

"Diese Westen werten wir als Uniformierung", sagte ein Sprecher der Wuppertaler Staatsanwaltschaft. Falls junge Menschen aufgefordert wurden, eine Diskothek nicht zu betreten, müsse geprüft werden, ob auch eine Nötigung vorliege. Das bloße Empfehlen religiöser Regeln sei aber nicht strafbar. 

Die Polizei verstärkte ihre Präsenz in der Innenstadt. Die Bevölkerung wurde gebeten, bei verdächtigen Beobachtungen die Polizei zu rufen. "Das Gewaltmonopol liegt ausschließlich beim Staat. Ein Auftreten, das einschüchtert, verunsichert oder provoziert, wird nicht geduldet", sagte Wuppertals Polizeipräsidentin Birgitta Radermacher an. "Wählen Sie 110, wenn Sie diesen Leuten begegnen." 

Die selbst ernannten Sittenwächter erheben mit gelben Flyern den Anspruch auf eine "Shariah Controlled Zone" (Scharia-kontrollierte Zone). Auf ihnen sind Verhaltensregeln der radikalen Muslime festgehalten: kein Alkohol, kein Glücksspiel, keine Musik und Konzerte, keine Pornografie und Prostitution, keine Drogen. Die Scharia ist das islamische Recht. Es wird von Salafisten ultrakonservativ ausgelegt.