Der Skandal weitet sich aus: Der festgenommene Geistliche Józef Wesołowski soll intensive Kontakte zur Kinderpornographie-Szene gehabt haben. Die italienische Zeitung Corriere della Sera berichtet, Ermittler hätten auf dem Computer des ehemaligen vatikanischen Botschafters 86.000 kinderpornographische Fotos gefunden. Zudem seien auf dem vatikaneigenen Dienstcomputer in der Nuntiatur in der Dominikanischen Republik 130 Videos von Kindern in erotischen Posen entdeckt worden.

Erst Anfang der Woche hatte der Vatikan den 66-jährigen Wesołowski festnehmen und unter Hausarrest stellen lassen. Der Staatsanwalt im Vatikan ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts auf Kindesmissbrauch und des Besitzes kinderpornographischen Materials. Nach den Ermittlungen in Santo Domingo soll der Kirchendiplomat gegen Bezahlung Sex mit Jungen gehabt und so ihre sozial schwierige Lage ausgenutzt haben. Papst Franziskus hatte Wesołowski schon im August 2013 vom Posten des Nuntius in der Dominikanischen Republik abberufen. Weil Fluchtgefahr bestanden habe, soll Papst Franziskus die Festnahme vor wenigen Tagen dann persönlich angeordnet haben.

Auch in anderen Ländern soll es Ermittlungen gegen den Geistlichen geben. Wesołowski war laut des italienischen Berichts auch in Kasachstan und weiteren Kaukasusrepubliken tätig, ebenso in Bolivien. Es bestehe zudem der Verdacht, dass der Geistliche bislang unbekannte Komplizen habe.

Weil Wesołowski vatikanischer Staatsbürger ist, findet das Verfahren vor dem Gericht des Vatikanstaats statt. Der Prozess soll Anfang 2015 beginnen, dem Angeklagten drohen bis zu sieben Jahre Haft. 

Papst Franziskus hatte ein entschiedenes Vorgehen der Kirche gegen Verantwortliche sexueller Übergriffe auf Minderjährige versprochen. Die Missbrauchsfälle der vergangenen Jahre haben die katholische Kirche heftig erschüttert und ihrem Ansehen massiv geschadet. Schon unter Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. waren hunderte Geistliche deswegen ihrer Priesterämter enthoben worden. Der Kirche wurde jedoch wiederholt vorgeworfen, Kindesmissbrauch nicht ausreichend zu bekämpfen und die Täter nicht strafrechtlich zu verfolgen.