In Argentinien sind 15 Ex-Armeeangestellte und Zivilisten zu lebenslangen Haftstrafen wegen schwerer Menschenrechtsvergehen während der Militärdiktatur der siebziger und achtziger Jahre verurteilt worden. Das Gericht in La Plata befand die Angeklagten für schuldig, Häftlinge in einem Geheimgefängnis gefoltert und 135 von ihnen ermordet zu haben. Bei den meisten Verurteilten handelt es sich um Ex-Armeeangehörige, die anderen waren zivile Regierungsangestellte. Vier weitere Angeklagte erhielten Haftstrafen von bis zu 13 Jahren.

In den Verfahren ging es unter anderem um den Fall von Laura Carlotto, Tochter der Gründerin der Aktivistengruppe Großmütter der Plaza de Mayo. Laura Carlotto war 1978 als junge Frau im Gefängnis La Cacha in der Provinz Buenos Aires hingerichtet worden. Kurz zuvor hatten Vertreter der Militärjunta, die von 1976 bis 1983 herrschte, der Gefangenen ihren neugeborenen Sohn weggenommen und einem Paar zur Adoption übergeben. Erst im August dieses Jahres war der Sohn nach einem DNA-Test wieder mit seiner Großmutter Estela de Carlotto zusammengekommen. Estela De Carlotto nahm an der Verhandlung teil und begrüßte das Urteil.

Unter den Angeklagten befand sich erneut der frühere Polizeichef der Provinz Buenos Aires, Miguel Etchecolatz. Er erhielt zum zweiten Mal eine lebenslange Haftstrafe.

In der Zeit der Militärdiktatur von 1976 bis 1983 raubte die Junta etwa 500 Kinder von Regimekritikern. Die beiden Organisationen Großmütter der Plaza de Mayo, gegründet 1977, und Mütter der Plaza de Mayo führen die landesweite Suche nach den geraubten Kindern.