Helmut Kohl hat seinen ehemaligen Ghostwriter Heribert Schwan auf Herausgabe sämtlicher Kopien und Abschriften der strittigen Tonbänder verklagt. Ein Gerichtssprecher in Köln bestätigte, dass eine entsprechende Klage beim Landgericht eingegangen sei. Die Mitschnitte von über 600 Stunden Gesprächen aus den Jahren 2001 und 2002 flossen in das umstrittene Schwan-Buch Vermächtnis. Die Kohl-Protokolle.

Zudem lägen auch zwei Anträge der Anwälte Kohls auf einstweilige Verfügungen gegen Schwan und die Verlagsgruppe Random House vor, hieß es. Mit den Anträgen wenden sich die Anwälte demnach gegen eine Reihe konkreter Stellen in dem Buch, das seit vergangener Woche im Verkauf ist. Wann das Gericht über die Anträge entscheidet, war zunächst unklar.  

Kohl hatte die Verbreitung des Buches per einstweiliger Verfügung verhindern wollen. Er hatte die Beschwerde dann aber wegen mangelnder Erfolgsaussichten zurückgezogen. Schwan und sein Mitautor Tilman Jens zitieren in dem Buch den Altkanzler mit drastischen Äußerungen über frühere Weggefährten, darunter die von Kohl 1991 in sein Kabinett berufene heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). 

Der Streit zwischen dem Ex-Kanzler und Schwan über die Tonbandaufzeichnungen geht seit Längerem. Mit einer Klage auf Herausgabe der Originalbänder hatte sich Kohl zuletzt in zwei Instanzen durchgesetzt. Einige Originalbänder sollen laut Schwan mittlerweile gelöscht worden sein.

Kohl will seinen Nachlass an eine Stiftung geben

Schwan hatte mehrere Teile einer Biographie des Politikers geschrieben. Im März 2009 kündigte der Altkanzler schließlich die Zusammenarbeit mit dem Journalisten auf, nachdem es zu einem Zerwürfnis zwischen beiden gekommen war.   

Seinen politischen Nachlass will Kohl offenbar einer Stiftung überlassen. Stephan Holthoff-Pförtner, der Anwalt und Vertraute des Altkanzlers, sagte in der ARD-Sendung Günther Jauch, dass Kohl und seine Ehefrau Maike Kohl-Richter wünschen, dass Historiker die Verwaltung über das geistige politische Erbe bekommen. Kohls Ehefrau erhebe demnach keine Ansprüche auf den Nachlass. Bei der Bundesregierung gebe es vorerst keine Planungen für eine Bundesstiftung, sagte Sprecher Steffen Seibert am Montag.