Papst Franziskus am Samstag bei seiner Ankunft in der Synoden-Halle im Vatikan, umringt von Bischöfen © Franco Origlia/Getty Images

Die Katholische Kirche nimmt keine grundlegend neue Haltung gegenüber Homosexuellen und geschiedenen Eheleuten ein. Die zweiwöchige Sondersynode im Vatikan zu den Themen Ehe und Familie ist ohne Einigung in den Fragen Homosexualität und Scheidung zu Ende gegangen. In der vorgestellten Abschlusserklärung fanden drei strittige Punkte nur eine einfache, nicht die eigentlich angestrebte Zwei-Drittel-Mehrheit.

Die Kirchenoberen sprachen sich etwa gegen die Aufnahme eines Absatzes zum Willkommenheißen von Homosexuellen aus. Für die Aufnahme der Passage, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen zwar nicht mit der Ehe von Mann und Frau gleichgesetzt werden dürften, homosexuellen Menschen aber mit "Respekt und Taktgefühl" begegnet werden müsse, hätten zwei Drittel der 180 Teilnehmer stimmen müssen – am Ende waren es mit 118 zwei zu wenig. In einem neu gefassten Absatz wird Homosexualität stattdessen als eines der Probleme von katholischen Familien beschrieben. Laut der Kirchenlehre sei die einzig wahre Ehe diejenige zwischen Mann und Frau. Neben dieser Passage verfehlte auch ein Textstück zu einer möglichen Wiederzulassung von Geschiedenen zur Kommunion die Mehrheit.  

Papst Franziskus hatte das Treffen der Kardinäle einberufen, um die Lehren der katholischen Kirche mit der gesellschaftlichen Wirklichkeit abzugleichen. Mit Beiträgen zu den Themen Sex, Ehe und Homosexualität hatten Redner die Geistlichen teils ungewohnt offen mit der Realität konfrontiert. Vatikansprecher Federico Lombardi sagte, die Versammlung der Bischöfe und Kardinäle aus aller Welt habe eine "ausgeglichene" Abschlusserklärung verabschiedet. Die Kirchenoberen hatten zwei Wochen lang teils kontrovers beraten.

Ein am vergangenen Montag veröffentlichter Zwischenbericht hatte Aufsehen erregt. Darin war von der Notwendigkeit "mutiger Entscheidungen" die Rede. Vor allem beim Umgang mit Homosexuellen sahen viele Beobachter eine neue Tonlage der Kirche. Konservative Mitglieder der Kirche kritisierten umgehend, das Papier gehe viel zu weit.

Erzbischof Marx hätte sich "mehr Mut" gewünscht

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Erzbischof Reinhard Marx, sieht den Abschlussbericht der Familiensynode im Vatikan als Kompromiss. "Wir haben zum ersten Mal auf einer Synode, vielleicht sogar seit Jahrzehnten, solch eine offene, breite Diskussion erlebt über Themen, die wirklich schwierig sind." An einigen Stellen habe er sich mehr vorstellen können und etwas mehr Mut gewünscht. Vatikansprecher Lombardi betonte, das nun verabschiedete Abschlussdokument diene als Grundlage für weitere Diskussionen und sei kein lehramtliches Dokument.

Die Synode ging mit der Seligsprechung von Papst Paul VI. (1897-1978) offiziell zu Ende. Papst Franziskus verkündete die Formel unter dem Applaus der versammelten Gläubigen bei einer Messe auf dem Petersplatz. Künftig wird der 26. September, der Geburtstag des 1897 als Giovanni Battista Montini in Norditalien geborenen einstigen Kirchenoberhaupts (1963-1978), als Festtag begangen. Der wegen des Verbots der Pille auch umstrittene Papst hatte in einer Zeit des Aufbruchs innerkirchliche Reformen weiter vorangetrieben.