Der nigerianische Theologe und Afrikanist Obiora Ike hat Verständnis für die Bestrafung Homosexueller in seinem Land und in anderen afrikanischen Staaten geäußert. Wer öffentlich für die Gleichberechtigung von Homosexuellen eintrete, gefährde die "Einheit der Gesellschaft", sagte Ike der ZEIT-Beilage Christ und Welt.  

Die Gesellschaft brauche in dieser Frage eine Position. Der Staat müsse die Partnerschaften seiner Bürger regeln, "weil es sonst keine Orientierung mehr gibt", ergänzte der katholische Theologe.

Im Januar trat mit Unterstützung von christlichen und islamischen Geistlichen in Nigeria ein Gesetz in Kraft, das Versammlungen Homosexueller unter Strafe stellt. Es werde nach Einschätzung Ikes von 95 Prozent der Gesellschaft akzeptiert. "Als es beschlossen wurde, hat das Volk gejubelt." In den nördlichen Bundesstaaten des Landes, in denen die islamische Scharia gilt, müssen Homosexuelle mit harten Strafen bis zur Steinigung rechnen.

Ike sagte, die katholische Kirche des Landes respektiere zwar unterschiedliche sexuelle Orientierungen. Eine Liberalisierung der Gesetze gegen Homosexuelle würde nach Einschätzung des Theologen aber das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen gefährden: "Das hält Nigeria derzeit nicht aus." Möglicherweise werde man aber in einigen Jahren anders darüber denken.

Ike, der in Bonn promoviert hat und in Österreich zum Priester geweiht wurde, ist Professor für Ethik und Afrikanistik in der Stadt Enugu und Generalvikar des gleichnamigen Bistums.