Die Migranten in Deutschland sind genauso zufrieden wie die einheimische Bevölkerung ohne Migrationshintergrund. Und das, obwohl sie im Vergleich häufig weniger Geld oder schlechtere Jobs haben.

Das ist das Ergebnis einer Befragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und des Soziooekonomischen Panels (SOEP). Dafür wurden 5.000 Menschen befragt, die seit 1995 nach Deutschland eingewandert sind oder mit Migrationshintergrund in Deutschland geboren wurden – und nach 1995 in den Arbeitsmarkt eingetreten sind.

Besonders gut geht es Einwanderern, die auch Freunde ohne Migrationshintergrund haben. Die Vorstellung einer Parallelgesellschaft, laut der sich Migranten abschotten und nur in ihren eigenen Communities leben, ist übrigens nicht haltbar: Drei Viertel der Migranten pflegen Freundschaften und Kontakte zu Nicht-Migranten.   

Einheimische und Migranten sind gleich zufrieden

Das SOEP misst seit 30 Jahren die allgemeine Lebenszufriedenheit der Menschen in Deutschland. Die Skala reicht von 0 für "ganz und gar nicht zufrieden" bis 10 für "ganz und gar zufrieden". Im Jahr 2013 lag der Durchschnittswert bei 7,5 – ob die Befragten einen Migrationshintergrund hatten oder eben nicht, machte laut der Studie keinen Unterschied.

Weder die Sprache noch das Alter beim Zuzug spielen eine Rolle. Aber je länger jemand in Deutschland wohnt, desto wohler fühlt er sich. Soziale Kontakte und Freundschaften machen zufrieden, Diskriminierung sorgt für Frust. Wichtig sind auch wirtschaftliche Faktoren: Wer einen Job hat, ist zufriedener. Wer einen gut bezahlten Job hat, ist noch zufriedener.

Dass Menschen mit Migrationshintergrund häufig schlechter bezahlte Jobs haben und sich trotzdem wohl fühlen, begründen die Autoren der Studie mit dem Vergleich zum Herkunftsland. Im Schnitt verdienen Migranten in Deutschland doppelt so viel wie in ihrem Herkunftsland. 

Die Studie zeigt: Anders als früher die Gastarbeiter, kommen heute viele Arbeitsmigranten nicht mehr aus ihrem Herkunftsland nach Deutschland, um dann für immer zu bleiben. Seit der Wirtschaftskrise ist Deutschland für viele lediglich eine Station, bevor sie in andere Länder weiterziehen. Oft haben sie vorher schon in einem fremden Land gelebt. Diese Menschen haben häufig einen sehr guten Berufsabschluss. Die meisten haben also eine Aufsteiger-Biografie.

Die große Mehrheit will aber bleiben. Fast drei Viertel der befragten Einwanderer zogen ihren Familienmitgliedern nach oder kamen als Flüchtlinge, Asylbewerber oder Spätaussiedler nach Deutschland. Die wenigsten der Befragten sprachen bereits bei ihrer Ankunft Deutsch, nur 12 Prozent. Zwei Drittel haben Deutschkurse besucht. Zum Befragungszeitpunkt im Jahr 2013 stuften dann 58 Prozent ihre Sprachkenntnisse als gut oder sehr gut ein. Wenn nicht, sinken die Chancen auf Jobs und ein gutes Gehalt, zeigt die Studie.

Mehr Diskriminierung von Behörden als von der Polizei

Was die Studie auch zeigt: Mehr als die Hälfte der Migranten wurde aufgrund ihrer Herkunft diskriminiert. Besonders in Ausländerbehörden und Jobcentern erlebten sie Vorurteile und Benachteiligungen, berichteten viele Migranten. Bei der Wohnungssuche und auch bei der Polizei scheint es weniger Probleme zu geben, zumindest laut den Autoren der Studie.

"Die Behörden müssen Zuwanderern gegenüber offener werden", sagte Thorben Albrecht, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Im September hatten die Grünen im Bundesrat herausgehandelt, dass Asylbewerber und Geduldete schneller arbeiten können. Bisher mussten sie neun Monate oder ein Jahr warten. Albrecht betont, dass Migranten nicht mehr möglichst lange vom Arbeiten abgehalten werden, sondern möglichst schnell damit anfangen sollen.