Kurz nach dem Start zur Internationalen Raumstation ISS ist eine Rakete mit dem unbemannten privaten Raumfrachter Cygnus explodiert. Nach Angaben der US-Weltraumbehörde Nasa hob die Rakete um 18.22 Ortszeit (23.22 MEZ) vom Weltraumbahnhof Wallops im US-Bundesstaat Virginia kurz ab. Bereits wenige Sekunden später war am Boden der Rakete Feuer zu sehen, das rasch bis zur Spitze hochschlug. Die Rakete ging in einem gewaltigen Feuerball auf und stürzte ab. Es gab weder Tote noch Verletzte, teilte die Nasa mit. Die Ursache des Unglücks sei unklar. 

Die Rakete vom Typ Antares sollte den Cygnus-Frachter zur ISS bringen. Geladen hatte Cygnus knapp 2.300 Kilogramm an Ausrüstung, Nachschub für die ISS-Besatzung und Materialien für wissenschaftliche Experimente. Für die ISS-Besatzung besteht in Folge des Vorfalls laut Nasa keine Gefahr. "Es handelte sich um keine unbedingt notwendige Fracht", sagte Nasa-Manager William Gerstenmaier. Auf der ISS befinden sich der deutsche Astronaut Alexander Gerst und fünf Kollegen aus den USA und Russland.

Der Frachter Cygnus war von der privaten Firma Orbital Sciences entwickelt worden. Es sei zu früh, um die Details des Vorfalls zu kennen, teilte Orbital-Manager Frank Culbertson mit. "Wir werden eine sorgfältige Untersuchung durchführen, um die Ursache für den Defekt festzustellen." Ermittler würden nun die Trümmer und Telemetriedaten der Rakete untersuchen, um den Ablauf zu rekonstruieren. Ingenieure berichteten, dass es vor dem Start keinerlei Anzeichen für technische Probleme gegeben habe.

Alle Ingenieure und Techniker an den Bedienungspulten wurden vom Kontrollzentrum von Orbital Sciences angehalten, für Ermittlungen zur Unglücksursache die Daten zu sichern. "Wir werden in Erfahrung bringen, was passiert ist – und zwar hoffentlich bald – und die Dinge wieder auf Spur bringen", sagte Culbertson in einer Ansprache an sein Team. Er rief die Mitarbeiter zudem auf, nicht mit den Medien zu sprechen und von internen Spekulationen zur Unfallursache abzusehen.

Private Unternehmen führen seit mehreren Jahren im Auftrag der Nasa Versorgungsflüge zur ISS aus. Die US-Raumfahrtbehörde stellte ihr eigenes Shuttle-Programm im Sommer 2011 nach drei Jahrzehnten vor allem aus Kostengründen ein, will aber wieder einsteigen – nicht zuletzt, um die Abhängigkeit von Russland in der bemannten Raumfahrt zu beenden.   

Orbital Sciences hat einen Vertrag im Umfang von 1,9 Milliarden Dollar – umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro – mit der Nasa geschlossen, der insgesamt acht Versorgungsmissionen vorsieht. Der Flug am Dienstag hätte der vierte innerhalb dieses Programms werden sollen. Neben Orbital hat die Nasa auch das Unternehmen SpaceX mit solchen Ausrüstungsmissionen für die ISS beauftragt. Bis Dienstag waren alle Versorgungsflüge der Firmen nahezu reibungslos verlaufen. Der jüngste Rückschlag in Virginia dürfe in Washington für Kritik sorgen, hatte sich doch Präsident Barack Obama für das private Raumfahrtprogramm stark gemacht.