Nach dem Eindringen eines Irak-Veterans ins Weiße Haus ist eine weitere Sicherheitspanne im Umfeld von Barack Obama bekannt geworden. Laut einem Bericht der Washington Post wurde während eines Besuchs des Präsidenten in Atlanta ein Mann mit einer Schusswaffe zusammen mit Obama in einen Aufzug gelassen. Er sei Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma und bereits dreimal wegen Angriffen und Körperverletzung verurteilt worden. Seine Fahrt mit Obama im Aufzug sei ein Verstoß gegen Sicherheitsprotokolle des Secret Service, berichtete das Blatt in der Nacht auf Mittwoch. 

Der Vorfall trug sich laut dem Bericht schon am 16. September zu. Im Aufzug soll der Sicherheitsdienst-Mitarbeiter mit seinem Handy Videoaufnahmen vom Präsidenten gemacht haben. Dessen Wachleute hätten den Mann aufgefordert, das Filmen zu unterlassen. Als der sich jedoch weigerte, hätten ihn die Secret-Service-Agenten verhört und dabei von dessen Vorstrafen erfahren, schrieb die Washington Post. Dass der Mann bewaffnet war, erfuhren sie demnach erst, als sein Chef ihn unmittelbar nach dem Vorfall feuerte und der Mann dann seine Waffe übergeben musste. Ein Sprecher des Secret Service bestätigte den Zwischenfall, wollte jedoch unter Verweis auf laufende Ermittlungen keine Details nennen.

Für den Secret Service kommt die neue Enthüllung wenige Tage nach der Sicherheitspanne im Weißen Haus zur Unzeit. Der Mann, der sich unerlaubt Zugang zu Obamas Amtssitz verschaffte, wurde am Dienstag in drei Punkten angeklagt. Der 42-Jährige müsse sich für das unerlaubte Betreten eines abgegrenzten Grundstücks verantworten, teilte das Justizministerium mit. Zudem wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, eine gefährliche Waffe bei sich getragen zu haben, was in der US-Hauptstadt Washington verboten ist. Der dritte Anklagepunkt lautet unerlaubter Besitz von Munition.

Secret-Service-Chefin verantwortet sich vor dem Kongress

Der Eindringling hatte bei dem Vorfall am 19. September ein Klappmesser mit einer fast zehn Zentimeter langen, gezackten Klinge bei sich und hatte in seinem Auto rund 800 Schuss Munition sowie zwei Beile und eine Machete. Ihm drohen nach Angaben des Ministeriums bis zu 16 Jahre Haft. Der Angeklagte sollte am Mittwoch vor die US-Bezirksrichterin Deborah A. Robinson in Washington treten.  

Vor dem zuständigen Kongressausschuss übernahm Secret-Service-Chefin Julia Pierson am Vortag die volle Verantwortung für die Panne um den Eindringling. Das Versagen ihrer Behörde sei "inakzeptabel", räumte sie ein. Zugleich versicherte sie, dass eine solche Panne "nie wieder vorkommen" werde. Als erste Konsequenz soll sich die Haupttür des Weißen Hauses bei künftigen Vorfällen dieser Art automatisch schließen.