Teilnehmer der katholischen Bischofssynode im Vatikan haben vor einer zu weiten Öffnung der Kirche in Richtung Homosexueller und Geschiedener gewarnt. In einem dazu veröffentlichten Papier finde sich eine "beträchtliche Zahl von Bischöfen" nicht wieder, sagte der konservative US-Kardinal Raymond Burke.

Aktivisten haben die katholische Kirche indes dafür gelobt, dass sie einen Richtungswechsel zu größerer Akzeptanz Homosexueller vollziehe. Burke kritisierte, der Vatikan habe manipulierte Informationen über die Debatten hinter verschlossenen Türen veröffentlicht. Auch andere Teilnehmer der zweiwöchigen Synode deuteten an, der ungewöhnlich freundliche Ton gegenüber Homosexuellen in einem zuvor veröffentlichten Dokument könne Katholiken über die Glaubenssätze der Kirche verwirren. 

Der Vatikan reagierte auf diese Debatte, indem er ein weiteres Dokument veröffentlichte, das jenes vom Vortag indirekt abschwächte. Andere Sichtweisen zum Thema würden in das Abschlussdokument einfließen, das zum Ende der Synode am Samstag vorgelegt werden soll, hieß es darin. Bischöfe hätten vorgeschlagen, in dem Schlusstext die gläubigen katholischen Familien in den Vordergrund zu stellen, um einen fast ausschließlichen Fokus auf "nicht perfekte Familiensituationen" während der Versammlung zu vermeiden.   

Marx lobt offene und ehrliche Diskussion

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sieht die Beratungen auf einem guten Weg. Allerdings liege vor den Bischöfen bis zum Abschluss der Synode noch ein ganzes Stück Arbeit. "Wir haben bisher eine offene und ehrliche und in den Themen breit gefächerte Diskussion erlebt", sagte der Münchner Erzbischof. Papst Franziskus habe die Teilnehmer zu Beginn ermutigt, offen zu sprechen und zuzuhören. "Das ist gelungen", betonte Marx. Er spüre aber durchaus die Spannung "zwischen denen, die die Lehre ins Zentrum stellen, und denen, die vom Leben der Menschen ausgehen", sagte der Kardinal.

Seit Anfang Oktober beraten etwa 200 Bischöfe aus aller Welt hinter verschlossenen Türen im Vatikan über Familie, Ehe und Sexualität. Die außerordentliche Synode war von Papst Franziskus deshalb einberufen worden, weil ein im vergangenen Winter vom Vatikan verschickter Fragebogen ergeben hatte, dass viele Gläubige die kirchliche Lehre nicht mehr im Einklang mit der Realität der modernen Familie sehen. Einzelne Debattenbeiträge der Bischöfe werden nicht veröffentlicht, um den freimütigen Austausch zu fördern.