Papst Franziskus © Franco Origlia/Getty Images

Allein dass bei der aktuellen Bischofssynode über Homosexualität in der Katholischen Kirche gesprochen wird, dürfte als positives Zeichen gedeutet werden: Die Führung der Katholischen Kirche geht einen Schritt auf Schwule und Lesben zu. So klingt es zumindest auf dem Papier, das der Vatikan heute veröffentlichte, nachdem rund 200 Bischöfe mehrere Tage zum Thema Familie im Vatikan getagt hatten.

In dem Zwischenbericht, der im Beisein von Papst Franziskus verlesen wurde, heißt es, dass "Homosexuelle die christliche Gemeinschaft bereichern könnten". Das Dokument bildet die Grundlage für weitere Gespräche in der Synode, die in den kommenden Tagen folgen sollen.

Zum Umgang mit homosexuellen Paaren hieß es, die Kirche könne ihre Partnerschaft nicht als Ehe sehen, möglicherweise aber ihre Gaben und Qualitäten anerkennen. Es gibt in dem Dokument keinen Hinweis darauf, dass die römisch-katholische Kirche davon abrückt, die gleichgeschlechtliche Ehe und homosexuelle Handlungen abzulehnen. Grundsätzlich wird darauf bestanden, dass eine Ehe nur zwischen Mann und Frau möglich sei.

Immerhin ist nach der Familien-Synode erstmals von "positiven Aspekten" gleichgeschlechtlicher Beziehungen die Rede. Der Vatikan-Experte und Buchautor John Thavis spricht angesichts des neuen Tonfalls gar von einem "Erdbeben". Der Vorgänger von Papst Franziskus, Benedikt XVI., hatte zu seiner Zeit als Kardinal Homosexualität als eine "Anomalie" bezeichnet. Nun wird erstmals auch die Möglichkeit erwähnt, Homosexuelle in der Gemeinde brüderlich aufzunehmen. "Die Identität eines Menschen wird nicht vor allem von seiner sexuellen Tendenz bestimmt", sagte der Kardinal von Budapest, Peter Erdö, bei der Vorstellung des Berichts.

Abschließendes Dokument soll Samstag veröffentlicht werden

Auch der Umgang mit Geschiedenen, die ein zweites Mal geheiratet haben, wurde in Rom kontrovers diskutiert. Die Teilnehmer hätten die Dringlichkeit "neuer pastoraler Wege" erkannt, schreibt Erdö. Eine allgemeine Lösung werde es in diesem Thema aber wohl nicht geben.

Die außerordentliche Synode zum Thema Ehe, Familie und Sexualität war von Papst Franziskus einberufen worden. Ein im vergangenen Winter vom Vatikan verschickter Fragebogen hatte ergeben, dass viele Gläubige die kirchliche Lehre nicht mehr im Einklang mit der Realität der modernen Familie sehen. Das abschließende Dokument des Treffens soll am kommenden Samstag veröffentlicht werden und als Basis für die Synode im Jahr 2015 dienen.