Der Fall des Deutsch-Libanesen Khaled al-Masri zeigt, wie leicht Unschuldige in die Fänge des US-Geheimdienstes geraten könnten. Al-Masri war Anfang 2004 für mehrere Monate von der CIA festgenommen worden – aufgrund einer Verwechslung, wie sich herausstellen sollte. Seine Gefangennahme führt der am Dienstag veröffentlichte Folterbericht des US-Senats deshalb als ein Beispiel für den fehlerhaften Umgang mit Terrorverdächtigen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 an. "Die Haft von Al-Masri war nicht gerechtfertigt", heißt es auf Seite 129 des Reports.

Auch Mitarbeiter des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes selbst hegten diesen Verdacht früh, wie in dem Bericht nachzulesen ist. In der veröffentlichten Version sind fast alle Orts- und Namensangaben zu dem Fall geschwärzt. ZEIT ONLINE liegt aber ein Auszug der unzensierten Version vor.

Demnach war für den "deutschen Gemüsehändler" Al-Masri eine führende CIA-Mitarbeiterin verantwortlich, die bis heute die Rückendeckung des damaligen Geheimdienstdirektors Michael Hayden hat. Dass Al-Masri Opfer einer Namensverwechslung sein könnte, wie selbst ihre eigenen Mitarbeiter mutmaßten, sah die CIA-Frau nicht. 

Doch ihr Chef leitete keine Strafmaßnahmen gegen sie ein, weil "in diesem Geschäft mit Unsicherheit Fehler erwartbar" seien, so zitiert der Untersuchungsbericht eine Stellungnahme von Hayden. Die CIA-Führung müsse sich hinter ihre Mitarbeiter stellen, wenn ihre Fehler entstanden seien, weil sie sich nach "angemessenen Standards" verhielten. Bei Anti-Terror-Operationen im Allgemeinen und dem Fall Al-Masri im Besonderen akzeptiere er zudem eher Fehler, die zu einer unberechtigten Festnahme führten – als welche, die einen entscheidenden Hinweis übersähen.

Al-Masri wurde nach eigenen Angaben im Januar 2004 in Mazedonien festgenommen und über Albanien nach Deutschland ausgeflogen. Der Familienvater aus Ulm wurde dann CIA-Agenten übergeben, die ihn in ein Geheimgefängnis nach Afghanistan flogen und dort misshandelten. Die Agenten begründeten die Festnahme dem Senatsbericht zufolge damit, Al-Masri könne womöglich Informationen zu Al-Kaida-Anhängern liefern, die eine Bedrohung für US-Bürger darstellten oder Anschläge planten. Ihm wurde nie vorgeworfen, er selbst könne eine direkte Bedrohung darstellen – was eigentlich Voraussetzung für eine Festnahme durch die CIA auch nach dem "Memorandum of Notification" vom 17. September 2001 war, wie es im Bericht auf Seite 128 heißt.

Deutschland erst spät informiert

Trotz der frühen Vermutung einer Verwechslung wurde Al-Masri festgehalten, obwohl er fehlerfreie Ausweisdokumente hatte und auch die deutschen Behörden seine Identität bestätigt hatten. CIA-intern gab es dem Bericht zufolge Streit über den Umgang mit dem Deutschen, weil Schaden für US-amerikanische Interessen befürchtet worden seien. Die deutsche Regierung wurde über seine Festnahme erst einmal nicht informiert. Wann genau die damalige rot-grüne Regierung Bescheid wusste, beschäftigte später auch einen Untersuchungsausschuss des Bundestags.