In New York und anderen US-Städten haben in der Nacht auf Freitag den zweiten Tag in Folge Tausende Menschen gegen Polizeigewalt und die Entscheidung protestiert, einen weißen Polizisten wegen des Todes eines unbewaffneten Schwarzen nicht anzuklagen. Mehrere Protestzüge von Demonstranten legten den Verkehr in der New York teilweise lahm. Mehrere Personen wurden von der Polizei festgenommen. Auch in Washington D.C., Boston und Chicago gab es Proteste.

In New York versammelte sich eine große Menschenmenge lokalen Medien zufolge am Foley Square, einem Platz in der Nähe des Polizeihauptquartiers. Demonstranten zeigten Protestschilder mit Forderungen wie "Respektiert jedes Leben" und "Gerechtigkeit für Eric Garner".

Der 43-jährige Afroamerikaner Garner war im Sommer nach einem Polizeieinsatz gestorben, nachdem ein weißer Polizist einen Würgegriff gegen ihn angewendet hatte. Am Mittwoch entschied eine Geschworenenjury, in dem Fall keine Anklage zu erheben. In der Folge kam es zu landesweiten Protesten.

Zuvor hatten bereits die tödlichen Schüsse eines Polizisten auf den unbewaffneten schwarzen Teenager Michael Brown in der Kleinstadt Ferguson eine Debatte über Polizeigewalt und deren juristische Aufarbeitung ausgelöst. Auch in diesem Fall entschied ein Gericht, den verantwortlichen Polizisten nicht anzuklagen

Eine Untersuchung des amerikanischen Justizministeriums in der Metropole Cleveland im Bundesstaat Ohio könnte die Diskussion weiter anheizen. Sie habe ein Muster von "übermäßigem Gewalteinsatz" durch die Polizeikräfte zu Tage gefördert, sagte Justizminister Eric Holder am Donnerstag. Für die Missstände machte er schlechte Ausbildung und Ausrüstung, mangelhafte Richtlinien sowie ein schlechtes Verhältnis zwischen Polizei und Bevölkerung verantwortlich. 

Polizist erschoss Zwölfjährigen

Das Justizministerium führt in der vor anderthalb Jahren gestarteten Untersuchung von rund 600 Fällen auf, dass Polizisten immer wieder Schusswaffen, Pfefferspray, Elektroschockpistolen und ihre Fäuste unangemessen eingesetzt hätten. Die Gewalt habe sich auch gegen psychisch Kranke und andere hilfsbedürftige Menschen gerichtet.

Erst vor wenigen Wochen war es in Cleveland zu einem tödlichen Zwischenfall gekommen: Ein zwölfjähriger schwarzer Junge zielte am 22. November in einem Park mit einer Spielzeugpistole auf Passanten. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie ein herbeigerufener weißer Polizist binnen weniger Sekunden das Feuer eröffnet. Der Junge starb an den Folgen der Schussverletzung. Im Zuge der Untersuchungen des Justizministeriums verpflichteten sich die Behörden in Cleveland zu Reformen, die von einem unabhängigen Experten überwacht werden sollen.