Die Polizei geht im Fall der im mittelfränkischen Vorra abgebrannten Flüchtlingsunterkünfte von einem Anschlag mit rechtsextremem Hintergrund aus. Am Tatort fanden die Ermittler Brandbeschleuniger und Hakenkreuzschmierereien. An einer Wand stand eine ausländerfeindliche Parole. 

Deswegen ermittelt nun der Staatsschutz, die Polizei hat eine 20-köpfige Sonderkommission eingesetzt. Wie das Polizeipräsidium Mittelfranken mitteilte, wurde zudem eine Belohnung von 5.000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Aufklärung der Tat oder zur Ergreifung der Täter führen. Mithilfe eines Fahndungsplakates und Handzetteln wollen die Ermittler weitere Informationen sammeln.

"Es war auf jeden Fall eine vorsätzliche Tat", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Eine Anwohnerin hatte den Brand der fast bezugsfertigen Gebäude am späten Donnerstagabend entdeckt. Ein ehemaliger Gasthof stand in Flammen, auch ein nahe gelegenes Wohnhaus sowie eine Scheune brannten. In die Gebäude sollten in den kommenden Wochen Asylbewerber einziehen. Da die Häuser leer standen, wurde nur ein Feuerwehrmann beim Löschen leicht verletzt. Die Gebäude sind durch den Brand unbewohnbar geworden, es entstand ein Schaden von rund 700.000 Euro.

Politiker und Anwohner reagierten entsetzt auf die Tat. "Es ist unerträglich, wenn Asylbewerberheime geschändet werden, wenn Menschen versuchen, radikale Sprüche zu machen", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Jeder, der zu uns kommt, hat ein Recht darauf, anständig behandelt zu werden, ordentliche Gerichtsverfahren zu bekommen. Das ist unser Rechtsstaat und darauf sind wir stolz."

"Mit Hakenkreuzen und Brandanschlägen zeigen die Täter ihre abgrundtiefe Menschenfeindlichkeit", sagte die Flüchtlingsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoğuz (SPD). "Und das in einer Zeit, in der Frauen, Männer und Kinder im wahrsten Sinne um ihr Leben rennen."

Polizei verstärkt Schutz in anderen bayerischen Unterkünften

Bundespräsident Joachim Gauck sagte: "Wir können nur mit aller Entschlossenheit der anständigen Menschen reagieren." Justizminister Heiko Maas (SPD) bezeichnete den Anschlag als abscheulich. "Ausländerfeindlichkeit darf bei uns keinen Platz haben. Gewalt gegen Flüchtlinge werden wir nicht dulden." Man werde mit "null Toleranz" und mit aller Härte des Rechtsstaats gegen solche Taten vorgehen, sagte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU). "Braunes Gedankengut hat keinen Platz in unserer freiheitlichen Gesellschaft."

Auch die Anwohner von Vorra zeigten sich bestürzt. "Wir und andere Nachbarn haben uns auf die Ankunft der Asylbewerber gefreut", sagte eine Frau. "Wir haben uns schon drauf vorbereitet, sie willkommen zu heißen." In den vergangenen Wochen habe sich im Dorf ein Unterstützerkreis gegründet.

Herrmann kündigte an, dass die Polizei den Schutz der übrigen Unterkünfte in Bayern verstärken werde. Anfang der 1990er Jahre hatte eine Serie fremdenfeindlicher Angriffe, bei denen es in Solingen und Mölln auch Tote gab, im In- und Ausland für Entsetzen gesorgt. "Wir sind uns der Herausforderung bewusst, eine neue Welle auf jeden Fall zu verhindern", sagte der Innenminister.

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat in den ersten drei Quartalen dieses Jahres bereits 86 rechtsextrem motivierte Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte gezählt – und damit mehr als 2012 und 2013 zusammen. Darunter fallen Delikte wie Farbschmierereien, Beschmutzungen und Sachbeschädigungen, aber auch Brandstiftungen.