Teilnehmer einer Demonstration gegen Rechtsextremismus, Fremdenhass und die Anti-Islam-Bewegung "Pegida" vor der Bayerischen Staatsoper in München. © Nicolas Armer/dpa

Bundesweit haben sich Tausende Menschen versammelt, um gegen Fremdenfeindlichkeit zu demonstrieren. In Dresden, Bonn, München, Nürnberg und Würzburg protestieren sie gegen die islamfeindliche und Ressentiments schürende Bewegung Pegida, deren Anhänger sich ebenfalls zu Kundgebungen versammeln.  

In Dresden, wo sich unter dem Motto "Patrioten gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) in der vergangenen Woche etwa 15.000 Menschen versammelt hatten, kamen nach Schätzungen etwa 4.500 Gegner zum Neustädter Bahnhof, von wo sie über die Elbe zum Schlossplatz zogen. Sie trugen Transparente mit Slogans gegen Rassismus und  der Aufschrift "Wirr ist das Volk" – unter Bezug auf die Pegida-Demonstranten, die den aus der Wendezeit bekannten Ruf "Wir sind das Volk" für ihren Zweck nutzen.

Eine deutlich größere Zahl von Pegida-Anhängern folgte dem Aufruf zu einem sogenannten Weihnachtsliedersingen mit Kerzen auf den Platz vor der Dresdner Semperoper. Die Polizei sprach um 20 Uhr von 17.500 Menschen. Hauptorganisator Lutz Bachmann kritisierte in einer Ansprache die Medien erneut als "Lügenpresse", vor der Oper hielten Demonstranten Schilder wie "Parteien gute Nacht, Bürger an die Macht" hoch.    

Die Semperoper warb an den Fahnenmasten vor dem Haus mit Flaggen für Offenheit gegenüber Notleidenden und Schwachen: "Herzen auf,  Türen auf". Die Fassadenbeleuchtung wurde abgeschaltet – wohl, um repräsentative Fotos der Pegida-Demonstration mit dem Opernhaus zu erschweren. An der Fassade erstrahlte als Projektion der Slogan "Dresden für alle". 

Dem Spiegel zufolge kündigte Bachmann an, dass der Protestzug in der kommenden Woche aufgrund des "Weihnachtsfriedens" ausfallen werde. Auch die Dresdner Polizei bestätigte, dass die nächste Pegida-Demonstration erst am 5. Januar geplant sei.

"München zeigt sich von seiner allerbesten Seite"

In München zogen derweil nach Polizeiangaben 12.000 Menschen vor das Nationaltheater, um gegen Pegida zu demonstrieren. Mit Transparenten wandte sich das Bühnenhaus wie auch das Residenztheater  gegen Fremdenfeindlichkeit und eine "Idiotisierung des Abendlandes". Die Oper, deren Chor auftrat, hatte Transparente mit der Aufschrift "Humanität, Respekt, Vielfalt" zwischen den Säulen des Portals aufgehängt. Unter anderem trat der Liedermacher Konstantin Wecker auf. "Wer mit Pegida sympathisiert, ist nicht bereit nachzudenken", sagte er. Die Sportfreunde Stiller und The Notwist waren angekündigt, ebenso ein syrischer Flüchtlingschor. 

"München zeigt sich von seiner allerbesten Seite", sagt Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) vor den Demonstranten. Er sei sicher, "dass in München Platz für die Flüchtlinge ist, die zu uns kommen." In der Stadt sei "kein Platz, um Angst zu schüren". Die Organisatoren hatten vorbeugend zum Protest gegen Pegida und Zeichen der Solidarität aufgerufen, denn in München gab es bisher keine solchen Demonstrationen. Etwa drei Dutzend Anhänger versammelten sich laut Süddeutscher Zeitung am Rande des Platzes.

Im hessischen Kassel stellte eine Gegendemonstration mit 2.000 Teilnehmern die Kundgebung einer Gruppe "Kassel gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Kagida) in den Schatten. Diese hatte "ganz genau 165 Menschen" mobilisiert, wie die Polizei mitteilte. Am Rande der Proteste gab es Auseinandersetzungen, acht Menschen wurden vorläufig festgenommen.

In Bonn waren etwa 900 Polizisten im Einsatz, um die rund 200 Teilnehmer einer islam-kritischen Kundgebung von gut 2.500 Gegendemonstranten getrennt zu halten. "Alles friedlich", sagte ein Polizeisprecher am frühen Abend zu der "Bogida"-Veranstaltung des Bonner "Pegida"-Ablegers. Auch in Würzburg und Nürnberg waren Versammlungen und Protestkundgebungen angemeldet. 

Politiker, die Evangelische Kirche und Verbände hatten sich im Vorfeld gegen die islamfeindliche Bewegung positioniert – darunter der neue Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, der für einen Dialog mit den Pegida-Anhängern warb. Altkanzler Gerhard Schröder hatte einen "Aufstand der Anständigen" gegen Pegida gefordert, wie er es vor zehn Jahren bereits gegen rechtsextremistische Gewalt getan hatte. Drei DDR-Bürgerrechtler verfassten zudem eine Resolution gegen Pegida, aus der die taz zitierte. Grünen-Chef Cem Özdemir sagte dem RBB, dass er keinen Dialog suche. Er halte nichts von "so einer weinerlichen Haltung" im Umgang mit Pegida. "Klartext ist angesagt und nicht dieses Gesülze, was ich da zum Teil höre von manchen Kollegen von mir."