Die Geschichte von Pegida ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Das jedenfalls denken die Anhänger der Gruppe, die Woche für Woche montags durch die Dresdner Innenstadt ziehen. Sie werden verkannt, in die falsche Ecke gestellt, so der Vorwurf aus den Reihen der Protestierenden der selbst ernannten Patriotischen Europäer Gegen die Islamisierung des Abendlandes, die ihre Ängste schon im Namen tragen. Mit der Presse reden sie fast nie, die folgenden Thesen und Aussagen wiederholen sie aber auf ihren Veranstaltungen immer wieder. 

These: "Pegida ist nicht ausländerfeindlich und auch nicht gegen den Islam an sich. Nur gegen die Islamisierung."

Gründer Lutz Bachmann sagte in einem Interview, er habe viele muslimische Freunde, auch einer seiner Trauzeugen sei Türke. Er habe in Südafrika sogar die erste Disco für Schwarze in der Innenstadt aufgemacht. Auf den Protestmärschen kommt das Bündnis betont bürgerlich daher. 

Dennoch mischen sich unter die Demonstranten viele, die keinen Unterschied zwischen dem Islam als Religion und einer radikalen Form der Islamisierung machen. Pegida bedient sich Klischees. Viele Anhänger sehen den Islam kritisch und werfen den Muslimen mangelnde Integrationsbereitschaft vor. Die lässt sich aber nicht belegen. Laut einer Studie aus dem Jahr 2012 für das Bundesinnenministerium geben 78 Prozent der befragten Muslime zwischen 14 und 32 Jahren an, dass sie zur Integration bereit sind. 

Von einer Islamisierung kann in Sachsen ohnehin keine Rede sein. Eine Studie der Deutschen Islamkonferenz besagt, dass nur 0,7 Prozent der sächsischen Bevölkerung Muslime sind, das sind etwa 28.000.   

These: "Extra Schwimmzeiten für Trägerinnen der Burka sind ein Beleg für die Islamisierung."

Es gibt inzwischen in vielen Schwimmbädern spezielle Öffnungszeiten für Musliminnen. So etwa in Offenburg, Düsseldorf und in Saarbrücken. Es geht vor allem darum, dass strenggläubige Musliminnen in Gegenwart von fremden Männern ihren Körper verhüllen. In öffentlichen Schwimmbädern ist das aber nur dann möglich, wenn die Frauen einen Burkini, einen Ganzkörper-Badeanzug tragen. Um es den Frauen zu ermöglichen, auch ohne Burkini zu schwimmen, bieten einige Bäder Öffnungszeiten nur für Frauen an.

Man könnte dieses Zugeständnis an religiöse Besonderheiten auch als angemessene Akzeptanz von Minderheiten verstehen, die keinem schadet. Von deutschen Patrioten und Patriotinnen jedenfalls, die während der Burkini-Öffnungszeiten in Massen am Schwimmen gehindert werden, ist bisher nichts bekannt.

These: "Wir sind keine Nazis."

Die Gruppe fühlt sich missverstanden, in eine Ecke gerückt mit Rechtsradikalen und Nazis. Dass stadtbekannte Nazis bei den Kundgebungen in der Menge mitlaufen, ist den Veranstaltern in Dresden bewusst. Die seien aber in der Minderheit, heißt es – und ohnehin, man könne sie ja nicht davon abhalten, wegen des Versammlungsrechts.  

Das Kulturbüro Sachsen, das die Neonazi-Szene des Landes beobachtet, sagt, die Demonstrationen würden nicht von Rechtsextremen organisiert. "Auch Lutz Bachmann ist bisher nie in einem rechtsextremen Zusammenhang in Erscheinung getreten", sagt Andrea Hübler von der Opferberatungsstelle RAA Sachsen ZEIT ONLINE. Und es seien vor allem Bürger der unteren Mittelschicht, Unternehmer und Kleinbürger, die an den Protesten teilnehmen. Pegida mobilisiert Menschen jenseits des rechten Milieus.

Die Veranstalter distanzieren sich aber auch nicht wirklich von Neonazis und auch von Hooligans. Zwar sagt Bachmann immer wieder, dass er mit Nazis nichts zu tun habe. Aber die Frage, ob es ihn stört, dass Rechtsextreme unter den Protestierenden sind, lässt er offen – um dann darauf zu verweisen, dass es die Gesetzeslage jedem erlaube, an der Demonstration teilzunehmen.   

These: "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Dresdner Christstollen umbenannt wird."

Die große Sorge der Pegida-Anhänger: Die Bedrohung der deutschen Kultur und eine schrittweise Abschaffung christlichen Kulturguts. Seit in Berlin einige Weihnachtsmärkte nun Wintermärkte heißen sollen, fürchten die Protestierenden, dass sich die Änderung in weniger religiöse Begriffe fortsetzt. So auch beim Dresdner Christstollen. Doch die Sorge ist unbegründet. 

Der Name Dresdner Christstollen ist seit 1996 als Marke geschützt und unterliegt damit Markenrechten. Ein zusätzliches EU-Siegel regelt die geografische Zuordnung des Stollens. Nur Stollen, die im Dresdner Raum gebacken werden und bestimmte Qualitätskriterien vorweisen, dürfen auch so genannt werden. Laut des Schutzverbandes Dresdner Stollen e.V. backen derzeit 130 Bäcker den Original Dresdner Christstollen. Mehrmals pro Jahr wird das Gebäck geprüft. Im Jahr 2012 wurde der Dresdner Christstollen Marke des Jahrhunderts. Der Name sei schwer zu kippen, sagte eine Sprecherin des Verbandes ZEIT ONLINE.