Sonntag war der finsterste Tag des Jahres und Mittwoch kommt das Christkind, aber jetzt ist Montagabend in Dresden und deshalb noch ein letztes Mal in diesem Jahr Pegida-Zeit. Diesmal in der Weihnachtsedition sozusagen. 

Ein Mann in Camouflage läuft durch die Stadt, über der Schulter hält er eine große Deutschlandfahne, der Wind treibt den Patrioten und seinen Schwarz-Rot-Gold-Stoff Richtung Zwinger, zu Tausenden anderen.

Was für ein Ort. Links die Hofkirche, rechts die Semperoper. Genau, die aus der Bierwerbung, mit dem goldenen Treppenhaus. Im Rücken die Elbauen und vorne der ausladende, barocke Zwinger. Zwischen so viel Postkarten-Deutschland patriotisiert es sich besonders gut.

Gemeinsames Weihnachtssingen also. Geplant sind drei Lieder, die Texte vorher per Facebook verteilt. Da stehen sie nun, manche mit den ausgedruckten Strophen, die allermeisten ohne. Denn der eigentliche Text, den sie auswendig kennen und den zu rufen sie hier sind, ist sowieso ein anderer: Wir sind das Volk! Lügenpresse, Lügenpresse!

Anti-Journalismus-Preis

Hinten im Zwinger hängen in der Gemäldegalerie die alten Meister. Und davor auf seiner kleinen weißen Bühne steht jetzt Lutz Bachmann, der neue Meister von Pegida. Auf dem Platz 17.500 Zuhörer, wieder mehr als die 15.000 vergangene Woche, wenn auch viele wegen der Weihnachtsferien mit über 20.000 gerechnet hatten. Viele von ihnen kommen nicht aus Dresden, es hat sich längst ein Pegida-Tourismus entwickelt, der bis nach Bayern und Berlin reicht. Wie übrigens auch auf der anderen Seite, der Anti-Pegida-Demonstration, wo diesmal rund 4.000 Menschen stehen.

Bachmann beginnt mit der Kür der aus seiner Sicht schlimmsten Presseberichte der vergangenen Woche, es ist so eine Art Anti-Journalismus-Preis. Auf Platz eins landet der NDR, der eine Stunde Interviewmaterial mit Pegida-Anhängern veröffentlicht hatte. Leider stellte sich später heraus, dass unter den ausländerfeindlich daherredenden Interviewten auch ein RTL-Mitarbeiter war, der eigentlich nur undercover über Pegida recherchieren sollte. Ein dämlicher Schlamassel und peinlich vor allem für RTL. Doch für Bachmann ist der NDR der Böse. Der Sender ist für ihn "Staatsfernsehen", und diesem sei, so muss man Bachmann verstehen, der "Aufwiegler" von RTL ganz gelegen gekommen. Ein anschaulicheres Beispiel, um den Vorwurf von der Lügenpresse zu untermauern, hätte Bachmann sich auch kaum wünschen können.

Pegida scheint jetzt allerdings eine Phase zu erreichen, in der sich erster Stolz auf die eigene Wirkung in die Wut mischt. "Wir wollen, dass die Politik uns endlich wieder zuhört" – das ist einer von Bachmanns Lieblingssätzen. Und das hat ja in den vergangenen Tagen ganz gut geklappt. Zahlreiche Politiker erklärten, man müsse die Sorgen der demonstrierenden Menschen ernst nehmen.

Auch auf die Titelseiten der Zeitungen hat Pegida es geschafft. "Die haben Angst vor Euch!", ruft Bachmann über den Platz und die Menschen jubeln, doch Recht ist ihm auch das wieder nicht. Die 140 von Islamisten Getöteten in Pakistan, die Geiselnahme in Sydney: Sie seien den Medien wegen Pegida nur noch Randnotizen wert, was ja wieder belege, dass die drohende Islamisierung heruntergespielt werde.

Tatsächlich passt diese Behauptung nicht zur Berichterstattung der vergangenen Tage, in der der Anschlag in Pakistan und die Geiselnahme in Sidney prominent vorkamen. Doch davon lassen sich die Pegida-Anhänger nicht irritieren.