Die Polizei in Dresden steht nach dem gewaltsamen Tod des 20-jährigen Eritreers unter Druck. Die Kritik an den schleppenden Ermittlungen wird lauter. Die Freunde des Asylbewerbers befürchten ein rassistisches Motiv hinter der Tat und haben auf Facebook über einen Mitarbeiter der Heinrich-Böll-Stiftung einen Fragenkatalog veröffentlicht, um auf Widersprüche bei den Ermittlungen der Polizei hinzuweisen.

Dabei geht es unter anderen um die Frage, warum die Polizei zunächst eine Fremdeinwirkung ausgeschlossen hat. Außerdem wurde das Blut weggewischt, bevor der Tatort abgesperrt und gesichert wurde. Zudem wollen die Freunde wissen, warum die Spurensicherung erst 30 Stunden später mit ihrer Arbeit begann und die Polizei ausschließlich die Mitbewohner, Freunde und Trauergäste des Toten befragte. Der Vorwurf: Die Polizei ignoriere die Tatsache, dass "Skinheads und Neonazis" die Asylbewerber "regelmäßig malträtierten, anrempelten (...) und beschimpften". Zudem habe es Drohungen gegeben. Die Freunde enden den Fragenkatalog mit einer Forderung: Sie wollen in einem anderen Bundesland untergebracht werden.

Khaled B. war in der Nacht auf Dienstag erstochen worden. Er starb an Verletzungen am Hals und in der Brust. Die Leiche des jungen Mannes war vor einem Wohnhaus in einer Plattenbausiedlung im Dresdner Stadtteil Leubnitz-Neuostra gefunden worden.

Offener Brief an Bundesinnenminister Maas

In einem offenen Brief wandte sich die Menschenrechtsorganisation Human Rights Concern Eritrea mit Sitz in Großbritannien an Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD). Angesichts der ständigen Drohungen gegen Asylbewerber in der Gegend gebe es nur wenig Zweifel daran, dass der 20-Jährige Opfer von Extremisten geworden sei, heißt es in dem Brief.

Die Organisation fordert eine transparente Prüfung der Autopsie und ein Gerichtsverfahren für die Täter. Zudem eine angemessene Beerdigung und psychologische Beratung und Unterstützung für die Freunde, die mit dem 20-Jährigen zusammengelebt haben. Es müsse außerdem angemessene Schutzmaßnahmen für die Flüchtlinge aus Eritrea in der Gegend geben.

Sozialarbeiter kümmern sich bereits um die Mitbewohner des getöteten Asylbewerbers. "Wir sind vor Ort, sorgen für ein warmes Mittagessen und bieten Gespräche an", sagte eine Sprecherin der Arbeiterwohlfahrt.

Noch keine Ermittlungsergebnisse

Der Hintergrund der Gewalttat ist bislang unklar. Laut Oberstaatsanwalt Lorenz Haase laufen die Ermittlungen. Hinweise auf Täter, Hintergründe und Umstände des Verbrechens gebe es aber noch nicht. Die Mordkommission der Dresdner Polizei sei auf 25 Beamte aufgestockt worden, heißt es in einer Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen konzentrierten sich auf Befragungen der Mitbewohner des 20-Jährigen.

Die Polizei hatte erst einen Tag nachdem der Tote gefunden worden war mit den Ermittlungen begonnen. Die Beamten hatten ein Fremdverschulden zunächst ausgeschlossen, obwohl der Tote mehrere Messerstiche aufwies und nach Zeugenaussagen in einer Blutlache lag. 

Dresdner CDU-Chef warnt vor Spekulationen

Die schleppenden Ermittlungen der Polizei haben inzwischen Konsequenzen. Der Grünen-Politiker Volker Beck stellte Strafanzeige gegen Unbekannt wegen möglicher Strafvereitelung im Amt. Der Linken-Fraktionsvize im Bundestag, Jan Korte, sagte der  Berliner Zeitung: "Es ist zu klären, warum zunächst gesagt worden ist, dass es sich nicht um ein Gewaltdelikt handelt." Das werfe viele Fragen auf.

"Strafanzeigen aus der Politik helfen keinen Deut bei der Aufklärung, Zurückhaltung und Respekt vor der Ermittlungsarbeit aber schon", sagte hingegen der sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU). Der Dresdner CDU-Chef und Landtagsabgeordnete Christian Hartmann appellierte an alle politisch Verantwortlichen, nicht weiter zu spekulieren und die Ergebnisse der Ermittlungen abzuwarten.

Inzwischen wurde das Operative Abwehrzentrum in die Ermittlungen einbezogen. Das OAZ ist schwerpunktmäßig für Straftaten mit rechtsextremem Hintergrund zuständig. Im Haus, in dem B. mit sieben anderen Männern aus Eritrea lebte, waren Hakenkreuze an Türen und Wände geschmiert worden.