Ihr Mann posiert in einem Propaganda-Video als Kämpfer des "Islamischen Staates" (IS), vor ihm liegen Leichen: "Wie ihr sehen könnt, haben wir geschlachtet", ruft er begeistert. Seine Frau dagegen sitzt seit fast zehn Monaten einige Tausend Kilometer entfernt in Untersuchungshaft. Sie soll der Terrormiliz Kameras für eben jene Propagandavideos beschafft haben sowie mehrere Tausend Euro. Der Generalbundesanwalt wirft ihr vor, Unterstützerin des IS zu sein. An diesem Mittwoch beginnt der Prozess im Hochsicherheitstrakt des Oberlandesgerichts Düsseldorf.

Die 25-Jährige stammt – wie ihre beiden Mitangeklagten (22/25), die auf freiem Fuß sind – aus Bonn und gehört zur dortigen Islamistenszene. Bonn gilt als eines der Zentren der Salafisten in Nordrhein-Westfalen.

Nach ihrer Festnahme Ende März 2014 erinnerte sich ihr ehemaliger Schuldirektor an ihren auffälligen Wandel vor vier Jahren. Plötzlich sei sie verschleiert im Unterricht erschienen, habe sich von den männlichen Mitschülern distanziert, berichtete er dem Bonner General-Anzeiger. Bei der Abiturprüfung habe man sie bitten müssen, ihren Schleier zu heben, um sie identifizieren zu können. Auf Lehrer und Mitschüler habe ihr Verhalten sehr befremdlich gewirkt.

Später soll die 25-Jährige mit drei Kameras und mehr als 5.000 Euro nach Syrien gereist sein. Zurück in Deutschland soll sie ihrem Mann seit vergangenem Dezember noch einmal gut 6.000 Euro übersandt haben – zweimal mithilfe der beiden deutschen Mitangeklagten, die 2.200 Euro für die Terrormiliz gesammelt haben sollen. So sieht es die Bundesanwaltschaft. 

Angeklagte will weiter schweigen

Die Behörden in Deutschland ermitteln seit Monaten gegen mutmaßliche Kämpfer und Unterstützer des IS. Im November gab Bundesinnenminister Thomas de Maizière an, die Zahl der Syrien-Rückkehrer sei auf 550 gestiegen. In der vergangenen Woche gingen die Ermittler in vielen deutschen Städten gegen mutmaßliche Islamisten vor, etwa in Wolfsburg, Pforzheim und Berlin.  

Der 25-jährigen Angeklagten drohen bis zu zehn Jahre Haft. Das Gericht hat für das am Mittwoch beginnende Verfahren 25 Verhandlungstage angesetzt und 50 Zeugen geladen.   

Absicht der Angeklagten schwer nachweisbar

Ihr Verteidiger sagte auf Anfrage, seine Mandantin habe bislang zu den Vorwürfen geschwiegen und werde dies auch künftig tun. Die Hauptfragen des Verfahrens seien aus seiner Sicht, ob überhaupt Geld geflossen sei – und wenn ja, wofür. Dass es für Terrorzwecke verwendet wurde, sei für die Justiz sehr schwer nachzuweisen. Die Auftritte ihres Mannes im Internet seien zwar eine Hypothek für seine Mandantin, aber: "Sippenhaft gibt es in Deutschland nicht."      

Die Anklage des Generalbundesanwalts lautet auf Unterstützung des IS sowie der Vorbereitung schwerer staatsgefährdender Gewalttaten gemäß den Paragrafen 129a und 89a des Strafgesetzbuches. Zu dem sogenannten Terrorcamp-Gesetz (§89a) gibt es nicht nur verfassungsrechtliche Bedenken, viele Juristen halten es im Kampf gegen den IS auch für unbrauchbar oder fordern Nachbesserungen

Im Falle der 25-jährigen Angeklagten muss vor Gericht nachgewiesen werden, dass sie die konkrete Absicht hatte, etwa einen Terroranschlag zu begehen. Diese Hürde ist hoch.