Zum Ende der Legida-Demonstration in Leipzig ist es zu Ausschreitungen gekommen. Dabei habe es "einige wenige Verletzte" gegeben, sagte ein Polizeisprecher am Mittwochabend. Welcher Art die Verletzungen waren und wer von wem attackiert wurde, wurde nicht bekannt. Es seien Böller und Flaschen geflogen. Zudem wurden nach Angaben der Polizei auch Journalisten attackiert – aus welchem Lager, sei nicht festzustellen gewesen. Die Fotoausrüstung eines Pressevertreters wurde dabei zerstört.

"Es ist tatsächlich so, dass wir im Abgang Probleme bekommen haben, die Lager zu trennen", sagte ein Polizeisprecher am Ende der insgesamt 20 angemeldeten Kundgebungen. Vor dem Hauptbahnhof gab es Zusammenstöße von Legida-Anhängern und Gegendemonstranten. Die Beamten versuchten, die Legida-Sympathisanten unter Polizeibegleitung in nördlicher Richtung aus der Innenstadt zu leiten. Erst gegen 22.00 Uhr habe sich die Lage beruhigt.

Das Lokalradio der Universität Leipzig, mephisto 97.6, teilte via Twitter mit, einer ihrer Reporter sei von Legida-Demonstraten angegriffen worden. Die Polizei habe nicht reagiert. Auch die Leipziger Volkszeitung berichtete von Drohungen gegen einen ihrer Fotografen.

Bereits Stunden vor Beginn der Demonstrationen hatte Leipzig einer Festung geglichen: Viele Geschäfte im Zentrum hatten wegen der Demonstrationen vorzeitig geschlossen, Straßen waren gesperrt, Hubschrauber kreisten. Die beiden in Richtung Innenstadt gelegenen Haupteingänge des Hauptbahnhofes waren verschlossen. Rund 4.000 Polizisten aus ganz Deutschland waren im Einsatz, darunter etwa 1.000 Bundespolizisten. Sie hatten bis zu 100.000 Teilnehmer bei der Legida-Demonstration und den Gegenveranstaltungen erwartet.

Am Ende der Kundgebung stand fest: Den Legida-Organisatoren war es nicht gelungen, wie von ihnen erhofft einige Zehntausend Teilnehmer zu mobilisieren. Zu der Kundgebung auf dem zentralen Augustusplatz mit anschließendem Aufzug über einen Teil des Innenstadtrings versammelten sich nach Angaben der Stadt höchstens 15.000 Legida-Anhänger. Die Gegendemonstranten waren mit mehr als 20.000 Teilnehmern deutlich in der Überzahl.

In der Stadt war ein Durchkommen kaum möglich, vereinzelt kam es schon vor den Demonstrationen zu Zusammenstößen zwischen Legida-Anhängern und Gegendemonstranten. Offenbar, weil mehrere Zugänge zur Legida-Demonstration blockiert waren, versuchten deren Anhänger auf anderen Wegen zu ihrer Veranstaltung zu gelangen. Der Auftakt der Kundgebung auf dem Augustusplatz begann etwas verspätet gegen 18:45 Uhr.     

Insgesamt 19 Gegendemonstrationen begleiteten die Legida-Versammlung mit lauten "Haut ab", "Nazis raus" und "Buh"-Rufen. Die Gegner des Leipziger Ablegers der Pegida-Bewegung aus Dresden hielten zudem Schilder mit Sprüchen wie "No Pegida, no Legida" in die Luft. Vor Beginn der Gegendemos hatten auch die Anhänger von No Legida berichtet, sie hätten es schwer, Zugang zu den angemeldeten Demos zu erhalten, durch die Polizeikette käme fast niemand durch. 

Auch aus Dresden waren Anhänger und Gegner von Pegida erwartet worden. Unbekannte hätten jedoch am Nachmittag an der Bahnstrecke Leipzig-Dresden zwei Brandanschläge verübt, teilte die Bundespolizei mit. Die Strecke wurde daraufhin gesperrt, der Fernverkehr umgeleitet.

Im Leipziger Hauptbahnhof musste fast die Hälfte der Gleise gesperrt werden, es kam zu Verspätungen. Am Abend legten zwei weitere Brandanschläge an Stationen des Leipziger Citytunnels zwei Stunden lang den S-Bahn-Verkehr. Unklar ist, ob die Anschläge in Zusammenhang mit dem Legida-Aufmarsch stehen.

Legida hatte bis zu 60.000 Demonstranten angemeldet

Die Behörden waren im Vorfeld davon ausgegangen, dass allein Legida bis zu 40.000 Anhänger auf die Straße bringen könnte. Ursprünglich hatten die Organisatoren in der Hoffnung auf starken Zustrom aus Dresden nach dem Demonstrationsverbot dort sogar bis zu 60.000 Teilnehmer angemeldet.

Ähnlich wie zuvor in Dresden oder Köln hat auch Leipzig die Außenbeleuchtung markanter Gebäude abgeschaltet. Am Gewandhaus und am City-Hochhaus wurden die Strahler ausgestellt, wie ein Stadtsprecher sagte. Auch die Oper lag im Dunkeln. Das weltberühmte Gewandhaus, an dem der Legida-Zug am Abend vorbeigehen sollte, bezog schon am Nachmittag Position: "Gewandhausorchester und Gewandhaus: tolerant, aufgeklärt, weltoffen", stand auf einem Transparent, das an der Fassade aufgehängt wurde.

Die Stadt hatte den Legida-Aufmarsch nur unter Auflagen genehmigt. So durften die Islamkritiker, die nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes rechtsextremistische Tendenzen erkennen lassen, nur auf einer verkürzten Route über den Innenstadtring ziehen. Das Verwaltungsgericht Leipzig hatte die Auflagen bestätigt, nachdem die Anmelder per Eilverfahren Einspruch eingelegt hatten. Die Legida-Organisatoren hatten via Facebook Tipps für "sichere" Anmarschrouten gegeben, nachdem das Aktionsbündnis Leipzig nimmt Platz Blockaden angekündigt hatte.