Hunderte Muslime haben in ganz Deutschland Mahnwachen für demokratische Grundwerte abgehalten. In zahlreichen Städten folgten Gläubige dem Aufruf der konservativen Türkisch Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib) und versammelten sich nach dem Freitagsgebet vor Redaktionsgebäuden. 

Auf dem Mainzer ZDF-Gelände, bei RTL in Köln, am Verlagshaus Axel Springer in Berlin sowie vor zahlreichen Zeitungshäusern in Hamburg, Hannover, Dortmund, Osnabrück, Karlsruhe, München und Nürnberg wandten sie sich gegen den islamistischen Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo in Paris.

Vor dem Springer-Haus in Berlin versammelten sich rund 50 Vertreter von Ditib. Bild-Chefredakteur Kai Diekmann dankte ihnen für ihr Bekenntnis zu den Freiheitsrechten und die Absage an Gewalt.

Rund 50 Menschen kamen in Hamburg vor das Spiegel-Hochhaus und die Hamburger Morgenpost. Auf Letztere war am Sonntag ein Brandanschlag verübt worden. Die Polizei schloss einen Zusammenhang mit den Anschlägen in Frankreich nicht aus.

In Köln stellten sich rund 60 Muslime vor der RTL-Zentrale im Halbkreis auf. Ditib-Generalsekretär Bekir Alboga legte Blumen für die Opfer der Pariser Anschläge nieder. 

Zettel mit der Aufschrift "mit euch"

Vor den Nürnberger Nachrichten versammelten sich laut Ditib etwa 200 Menschen. Der Imam der Nürnberger Eyüp Sultan Moschee, Talha Dogan, sagte in seiner Freitagspredigt: "Vom Osten bis zum Westen, vom Norden bis zum Süden ist jeder Punkt der islamischen Welt verwundet." In München kamen rund 35 Gläubige zu einer Mahnwache vor das Gebäude des Bayerischen Rundfunks.

In Hannover hielten Muslime Zettel mit der Aufschrift "für euch", "mit euch", "bei euch" hoch. In Osnabrück gedachten Tausende in einer Schweigeminute der Terroropfer, in Karlsruhe versammelten sich Menschen vor dem Gebäude des Südwestrundfunks.   

ZDF-Intendant Thomas Bellut sagte, es gebe immer wieder Versuche, Einfluss auf Berichterstattung zu nehmen, auch Drohungen. "Seit Paris wissen wir, diese Drohungen können zu schrecklichen Taten führen."

Auch Politiker nahmen an den Mahnwachen teil. NRW-Integrationsminister Guntram Schneider (SPD) sagte vor den Ruhr Nachrichten in Dortmund, Terror kenne keinen Gott, "vor allem keinen lieben". Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sagte in Mainz vor den Teilnehmern, Muslime seien ein "Teil unserer Gesellschaft". CDU-Bundesvize Julia Klöckner sagte: "Wir wären keine freien Bürger, wenn es keine freie Presse gäbe, sondern Untertanen."