In der Redaktion der Satirezeitung Charlie Hebdo in Paris hat es einen Anschlag gegeben. Schwer bewaffnete Männer sind nach Polizeiangaben in das Gebäude eingedrungen und haben mit einer Kalaschnikow und einem Raketenwerfer um sich geschossen. Zwölf Menschen seien getötet worden, neun weitere wurden verletzt. Einige von ihnen sind laut Polizei in einem kritischen Zustand. Mehrere französische Medien, darunter Le Parisien und Le Point, berichten, auch der Chefredakteur Stéphane Charbonnier sei tot.

Die französische Regierung rief die höchste Terrorwarnstufe für den Großraum Paris aus. Der Anti-Terror-Plan sei auf die Stufe "Anschlagsalarm" angehoben worden, hieß es am Sitz von Premierminister Manuel Valls. Frankreichs Präsident François Hollande, der umgehend zum Tatort eilte, sprach von einem Terroranschlag. Es sei eine "außergewöhnlich barbarischen Tat". Es bestehe kein Zweifel, dass es sich um einen "Terroranschlag" handele. Nach seinen Angaben wurden in den vergangenen Wochen mehrere Anschläge in Frankreich verhindert.

Der Angriff im elften Arrondissement im Zentrum von Paris hat sich demnach gegen 11.30 Uhr ereignet. Es habe danach einen Schusswechsel mit den Sicherheitskräften gegeben, hieß es. Die Angreifer konnten entkommen, bei ihrer Flucht hätten sie einen Polizisten angeschossen und später einen Fußgänger überfahren.

"Das ist ein echtes Massaker. Es gibt Tote", sagte ein Mitarbeiter von Charlie Hebdo der Website 20 minutes. Vermummte und in Schwarz gekleidete Männer haben demnach die Redaktion betreten und das Feuer eröffnet. Laut dem Radiosender France Info haben die Männer gerufen, sie wollten den Propheten Mohammed rächen. Auf Videos ist zu sehen, dass die Angreifer mehrfach "Allah ist groß" riefen.

In der heute erschienen Print-Ausgabe des Magazins findet sich eine Zeichnung des Chefredakteurs Charbonnier, der von vielen nur Charb genannt wird. "Immer noch keine Attentate in Frankreich. Wartet ab", heißt es darauf. "Man hat bis Ende Januar Zeit, sich etwas zu wünschen."

Auf dem Titel der Ausgabe thematisiert Charlie Hebdo das neue Buch Unterwerfung des französischen Autors Michel Houellebecq. Darin beschäftigt sich der Autor mit dem Szenario einer Islamisierung Frankreichs unter einem muslimischen Präsidenten. Im Mittelpunkt stehen die Frage nach dem Niedergang des dekadenten Westens und das Verhältnis der drei Religionen Judentum, Islam und Christentum zueinander.

Die Zeitschrift wurde 2011 durch die Veröffentlichung eines Mohammed-Bildes auf seiner Titelseite bekannt. Die Redaktion wurde danach Ziel eines Brandanschlags. Das Blatt hatte in der Vergangenheit zudem mehrfach mit provokanten Mohammed-Karikaturen für Schlagzeilen gesorgt. Im September 2012 hatte Charlie Hebdo Mohammed-Karikaturen veröffentlicht. Frankreich hatte daraufhin aus Angst vor aufgebrachten Muslimen Botschaften in zahlreichen islamischen Ländern geschlossen.

Auf der Facebook-Seite des Magazins waren in letzter Zeit zahlreiche Karikaturen zu sehen, die sich mit der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) beschäftigen. Erst am heutigen Mittwoch um 11.12 Uhr wurde ein Bild gepostet, auf dem IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi zu sehen ist. "Beste Wünsche" steht dabei ironisch, "und vor allem Gesundheit".