Nainas Twitterprofil © Screenshot Twitter/ @nainablabla

Wenn ich im Juni mein Abizeugnis bekomme, bin ich volljährig und mir stehen alle Türen offen. Aber gleichzeitig ist das vorbei, was für mich zwölf Jahre lang Normalität war, danach kommt was vollkommen Neues. Das ist beängstigend, wenn man sich nicht richtig vorbereitet fühlt. Denn mit den ganzen neuen Rechten kommen ja auch Pflichten auf mich zu.

Ich habe mit ein paar Freundinnen darüber gesprochen, wie das ist, wenn wir nach der Schule zusammen in eine WG ziehen wollen. Aber niemand von uns wusste, wie das funktioniert mit der Miete oder welche Versicherungen man braucht.

Der Tweet kam ganz spontan, innerhalb von zwei Minuten hatte ich das gedacht, verfasst und abgeschickt. Ich hätte nie gedacht, dass darauf so eine riesige Reaktion folgt. Das ist einfach ein Thema in unserer Generation, dass wir nach dem Abi da stehen und sagen: Uff. Und was machen wir jetzt?

Es geht hier nicht nur um mich, es geht um viele Leute in meinem Alter. Ich bin ein ganz normales 17-jähriges Mädchen. Ich gehe zur Schule, treffe mich mit Freunden, höre Kraftklub und Heisskalt und gehe zum Sport. Jetzt zum Abi ist es ein bisschen stressig, aber eigentlich ist mein Leben ziemlich gewöhnlich.

Ich sage ja nicht: Was ihr uns an der Schule beibringt, ist Blödsinn. Wir lernen wichtige Sachen, die wir später auch brauchen. Fachwissen, Allgemeinbildung, soziale Kompetenzen. Gerade, was die Fremdsprachen angeht, bin ich unglaublich froh, dass ich die in der Schule gelernt habe, Englisch, Französisch und Spanisch. Und natürlich hat niemand Lust auf Gedichtanalysen.

Aber auch an der Uni ist es hilfreich, wenn man einen Text analysieren kann. Mir geht es um eine Erweiterung, lebensnahe Themen fehlen mir: Wie miete ich eine Wohnung? Was muss ich an Steuern zahlen? Welche Versicherungen brauche ich und wie schließe ich die ab? Wie kläre ich Dinge mit der Bank? Ich würde mir wünschen, dass wir über so was in der Schule sprechen. Nicht unbedingt als eigenes Fach, sondern als freiwilligen Projektkurs.

Natürlich sind das Sachen, die man auch googeln kann. Aber dann wird man von so einer Flut an Informationen überrollt, dass es wahnsinnig schwierig ist, zu unterscheiden: Was kann ich gebrauchen und was nicht?

Ich bin unheimlich froh, dass ich auf Twitter gestoßen bin. Gedanken wie in diesem Tweet kann ich einfach loswerden und Leute finden, denen es genauso geht – oder auch nicht, und dann diskutieren wir.