Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat die Bild-Zeitung aufgefordert, ihre Kampagne gegen die Verlängerung der Griechenland-Hilfen zu stoppen. Die Zeitung rief ihre Leser dazu auf, sich zusammen mit der Schlagzeile "Nein – Keine weiteren Milliarden für die gierigen Griechen" zu fotografieren und das Selfie an die Redaktion zu senden. Anlass ist die Abstimmung des Bundestags über die Verlängerung der Griechenland-Hilfen am Freitag.

"Die Griechenland-Politik der Bundesregierung kann man mögen oder ablehnen", sagte DJV-Chef Michael Konken. Eine Kampagne, die direkten Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen wolle, verbiete sich aber mit der beschreibenden Aufgabe des Journalismus. "Dass Boulevard-Medien eine andere Sprache und einen anderen journalistischen Stil pflegen, ist selbstredend. Die Selfie-Aktion von bild.de überschreitet aber die Grenze zur politischen Kampagne", kritisierte Konken.

Darüber hinaus sei es medienethisch bedenklich, dass ein ganzes Volk für die finanzpolitischen Fehlentscheidungen seiner Politiker diffamiert werde. "Die Verunsicherung über die Auswirkungen der Griechenland-Krise auf Deutschland ist groß", sagte Konken. In dieser Situation sei umfassende und kritische Berichterstattung Aufgabe aller Medien, nicht jedoch der Start einer politischen Kampagne. Bild-Chefredakteur Kai Diekmann wies die Vorwürfe über Twitter zurück.

Bei der Abstimmung im Bundestag zur Verlängerung des Hilfsprogramms für Griechenland an diesem Freitag ist eine selten große Mehrheit zu erwarten. In Sondersitzungen der Regierungsfraktionen stimmten bei der Union 22 Abgeordnete mit Nein, fünf enthielten sich. Das sind mehr Abweichler als bei der ersten Abstimmung 2012 über das zweite Hilfspaket, das jetzt verlängert werden soll: Damals gab es 13 "Nein"-Stimmen und zwei Enthaltungen. Die SPD votierte einstimmig für eine Verlängerung bis Ende Juni.

Die ungewöhnlich breite Bundestagsmehrheit kommt auch durch einen Kurswechsel der Linksfraktion zustande. Die hatte wegen der Sparauflagen bisher alle Griechenland-Hilfspakete abgelehnt. Jetzt wird sie wohl mehrheitlich dafür stimmen, obwohl sich inhaltlich das Programm nicht geändert hat. Der Grund: Die Athener Regierung ist nun links-geführt. In einer Probeabstimmung votierten 29 Linke-Abgeordnete dafür, vier dagegen, 13 enthielten sich. Die Grünen haben Zustimmung signalisiert. Endgültig wollen sich die Fraktionen der Opposition am Freitag in Sondersitzungen entscheiden.