Die Zahl antisemitischer Übergriffe hat in Großbritannien einen neuen Rekordstand erreicht. Das teilte die Organisation Community Security Trust (CST) mit, die Angriffe auf jüdische Gemeinden in Großbritannien dokumentiert. Laut ihrem Bericht wurden im vergangenen Jahr 1.168 antisemitische Taten gemeldet, das ist die höchste Zahl seit Beginn der Erhebung 1984. Der bisherige Höchststand aus dem Jahr 2009 lag bei 931 Taten, im Jahr 2013 waren es 535 Taten.

Die häufigsten antisemitischen Angriffe sind Beleidigungen in der Öffentlichkeit, aber es gab auch 81 Fälle von Körperverletzung. Außerdem Sachbeschädigung, Schmierereien an Synagogen und Drohungen in Briefen oder E-Mails. In Großbritannien leben etwa 291.000 Juden.

Als Ursache für den starken Anstieg nannte CST die Spannungen infolge des Gaza-Kriegs im Juli und August 2014. Im Juli registrierte CST 314 antisemitische Vorfälle, den höchsten Stand eines Monats überhaupt, und im August 228 Vorfälle. Fast die Hälfte bezog sich explizit auf die Geschehnisse in Israel und Gaza.

Allerdings stieg die Zahl der Übergriffe bereits in der ersten Jahreshälfte, vor dem Beginn des Gaza-Kriegs: In diesem Zeitraum zählte die Organisation insgesamt 307 Fälle, das sind 38 Prozent mehr als im Jahr 2013.

Die britische Innenministerin Theresa May nannte die Zahlen "sehr beunruhigend" und erklärte, "Großbritannien ohne seine Juden wäre nicht Großbritannien". Auch in anderen europäischen Ländern, darunter Frankreich, wo die größte jüdische Gemeinde Europas lebt, wurde ein starker Anstieg antisemitischer Taten registriert.