Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, empfiehlt in bestimmten Vierteln eine Kippa nicht öffentlich zu tragen. © Carsten Koall/Getty Images

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hält es für gefährlich, in überwiegend von Muslimen bewohnten Vierteln einiger Städte die Kippa zu tragen. Juden sollten sich zwar nicht aus Angst verstecken, und die meisten jüdischen Einrichtungen seien gut gesichert, sagte Schuster im rbb Inforadio. Die Frage sei aber, "ob es tatsächlich sinnvoll ist, sich in Problemvierteln, in Vierteln mit einem hohen muslimischen Anteil, als Jude durch das Tragen der Kippa zu erkennen zu geben – oder ob man da besser eine andere Kopfbedeckung trägt". Es sei eine Entwicklung, die er so vor fünf Jahren nicht erwartet habe, und die schon auch ein wenig erschreckend sei, meinte Schuster.

Schuster zeigte sich besorgt über den zunehmenden Antisemitismus in Deutschland. Erstmals habe er im vergangen Jahr bewusst eine antisemitische Allianz wahrgenommen, sagte er. Diese bilde sich aus den Rechten, einem Kreis muslimischer Jugendlicher und von Linken, die sich in deren feindlicher Haltung gegen Israel ausdrücke.

Die Zahl antisemitischer Straftaten hat im vergangenen Jahr in Deutschland stark zugenommen. Wurden 2013 noch 788 Fälle registriert, waren es im vergangenen 1.076 – ein Anstieg um mehr als ein Drittel. Das teilte die Amadeu Antonio Stiftung der Heilbronner Stimme mit. Die Stiftung beruft sich auf Zahlen der Bundesregierung, die bislang noch nicht veröffentlicht wurden.

Eine ähnlich hohe Zahl antisemitischer Taten gab es demnach zuletzt 2008. Der Projektleiter der Stiftung, Jan Riebe, verwies auf eine hohe Dunkelziffer. "Viele Straftaten werden nicht angezeigt, was auch an der sehr niedrigen Aufklärungsquote liegt."