Flüchtlinge in Italien (Archivbild) © Alessandro Bianchi/Reuters

Die Katholische Kirche will Flüchtlingen, denen die Abschiebung droht, auch künftig Kirchenasyl gewähren. "Wir wollen auf diese Tradition nicht verzichten", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Das Instrument habe sich bewährt, denn in 90 Prozent der Fälle habe den Flüchtlingen durch eine erneute Überprüfung ihres Falles geholfen werden können.

Das Kirchenasyl dürfe nicht dazu missbraucht werden, um die Asylfrage grundsätzlich zu lösen, sagte Marx weiter. Es sei aber auch gut für den Staat, wenn schwierige Fälle noch einmal überprüft werden könnten. "Wir wollen nicht Staat im Staate sein und das Rechtssystem aushebeln." Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte die Praxis zuletzt scharf kritisiert und den Kirchen vorgeworfen, sie versuchten, sich über staatliches Recht zu stellen.

Die Zahl der Kirchenasyle hat sich im vergangenen Jahr fast versiebenfacht. Einer aktuellen Erhebung der Ökumenischen Bundesarbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche zufolge gibt es derzeit deutschlandweit 226 Kirchenasyle mit mindestens 411 Menschen. Im Januar 2014 gab es lediglich 34 derartige Asyle. Die Katholische Kirche argumentiert, die steigenden Zahlen seien auf die allgemein steigenden Flüchtlingszahlen zurückzuführen.

Einen ähnlichen Anstieg hatte es in den 1990er Jahren, vor allem seit der Begrenzung des Asylrechts 1993 gegeben. Danach waren die Fälle von Kirchenasyl wegen der insgesamt abnehmenden Asylbewerberzahlen wieder leicht zurückgegangen.