Der Schütze von Kopenhagen war den dänischen Sicherheitsbehörden bekannt. Die Polizei teilte mit, der Täter sei unter anderem durch Gewaltdelikte und Verstöße gegen das Waffengesetz aufgefallen. Geboren sei der 22-Jährige in Dänemark. Es gebe keine Hinweise auf Komplizen oder einen Aufenthalt des Mannes als Dschihadist in Syrien oder im Irak, sagte der Chef der dänischen Sicherheitsbehörde PET, Jens Madsen.

Der Mann hatte bei zwei Angriffen zwei Menschen getötet und fünf weitere verletzt. Zunächst hatte er am Samstagnachmittag auf einer Veranstaltung mit dem schwedischen Karikaturisten Lars Vilks durch die Fenster des Kulturzentrums Krudttønden geschossen. Dabei wurden der Dokumentarfilm-Regisseur Finn Nørgaard getötet und drei Polizisten verletzt. Der Attentäter floh anschließend mit einem Kleinwagen.

Kurz nach Mitternacht griff dann vermutlich dieselbe Person eine Synagoge an und erschoss einen 37-jährigen jüdischen Wachmann. Zwei Polizisten wurden bei dem Angriff verletzt. Der Attentäter flüchtete zu Fuß weiter. Noch in der Nacht auf Sonntag bekamen die Sicherheitsbehörden einen Tipp zum Aufenthaltsort des Flüchtigen. Ein Taxifahrer hatte ihn nach dem ersten Attentat zu einer Adresse in der Nähe des Bahnhofs Nørrebro gefahren und die Information an die Polizei weitergegeben.

Am frühen Sonntagmorgen traf eine Sondereinheit den gesuchten Mann vor der Wohnung an. Als der Verdächtige auf die Sicherheitskräfte schoss, erwiderten diese das Feuer und töteten den Mann. Bei der anschließenden Durchsuchung der Räumlichkeiten fand die Polizei eine automatische Waffe.

Karikaturist sieht sich als Ziel des Angriffs

Zu seinen Taten inspiriert haben könnte den Attentäter der Anschlag auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo und einen jüdischen Supermarkt im Januar in Paris, vermuten die Sicherheitsbehörden. Der erste Angriff galt offenbar dem schwedischen Zeichner Lars Vilks. Islamisten kritisieren ihn seit Jahren wegen seiner Mohammed-Karikaturen. Auch Charlie Hebdo hatte Karikaturen des islamischen Propheten veröffentlicht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach den Angehörigen der Opfer ihr tief empfundenes Beileid und Mitgefühl aus. In einem Gespräch mit Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt sicherte sie Dänemark "einen weiterhin engen Kontakt bei Maßnahmen zur Bekämpfung des Terrorismus" zu. Thorning-Schmidt nannte die Angriffe einen Terrorakt. Ein islamistischer Hintergrund der Tat ist bislang nicht bestätigt. Die Polizei geht laut Medienberichten jedoch davon aus, dass der Angriff auf das Kulturcafé dem Zeichner Vilks galt.

Netanjahu: Juden sollten Europa verlassen

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu forderte die Juden in Europa auf, nach Israel auszuwandern. "Wieder sind auf europäischem Boden Juden nur deshalb ermordet worden, weil sie Juden sind", sagte er. "Es ist zu erwarten, dass sich diese Angriffswelle ebenso wie mörderische antisemitische Attacken fortsetzen."

Der höchste Rabbi Dänemarks, Jair Melchior, sagte, er sei enttäuscht über Netanjahus Aufruf. Terror sei kein Grund, nach Israel zu ziehen, sagte er.

Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, sprach von einer "Zuspitzung des Terrors in Europa". Mitten in der aufgeklärten Gesellschaft hätten sich "barbarische Kräfte radikalisiert, die unsere Lebensweise verachten", sagte sie.

Sicherheitsvorkehrungen an jüdischen Schulen, Kindergärten, Gemeindezentren und Synagogen seien "nötiger denn je", so Knobloch weiter. Solch eine Situation habe sie sich "70 Jahre nach dem Holocaust in meinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können". Sie appellierte an die Politik, härter gegen islamistische Strömungen vorzugehen und sich mit kulturellen Differenzen ehrlich auseinanderzusetzen.