Aiman Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, hat sich deutlich von der kürzlich bekannt gewordenen Predigt in der Neuköllner Al-Nur-Moschee distanziert. "Leider kann sich jeder unqualifizierte Macho einen Imam nennen und in einer Hinterhofmoschee predigen", sagte Mazyek ZEIT ONLINE. Es sei "indiskutabel, was dieser sogenannte 'Imam' von sich gibt in seiner herabwürdigenden Frauenfeindlichkeit". 

Es gebe "die klare prophetische Aussage: 'Derjenige von euch, der seine Ehefrau am besten behandelt, ist der beste von euch.'" Mazyek fügte hinzu, "jeder Muslim, der dies als Maßstab nimmt, wird für solche Macho-Imame nur ungläubiges Kopfschütteln übrig haben." 

"Einmal mehr", so Mazyek, werde klar, "wir brauchen in Deutschland der islamischen Theologie entsprechende und verfassungsmäßige Strukturen und Standards einer Imamausbildung."

Vor einigen Tagen war eine Predigt des ägyptischen Gastpredigers Abdel Moez al-Eila in der Al-Nur-Moschee bekannt geworden, in der dieser die völlige, auch sexuelle Unterwerfung der Frau unter den Mann gefordert hatte. Eine Frau dürfe Sex mit ihrem Mann niemals ablehnen. Die Moschee gilt als ein Zentrum von Salafisten und wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Redner hatten dort schon die Tötung der Juden "bis auf den Letzten" verlangt. Der Ex-Rapper Denis Cuspert, der mittlerweile für die Terrorgruppe IS kämpft, war regelmäßiger Besucher der Moschee.

Der Fall löste nach Bekanntwerden Verärgerung und Proteste aus. Der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg stellte Strafanzeige gegen den Prediger wegen Beleidigung, Volksverhetzung und Verdachts auf öffentliche Gewaltaufforderung. Berlins Innensenator Henkel sagte, "solche frauenverachtenden Hasspredigten sind abstoßend und eine Zumutung für jeden klar denkenden Menschen." Diese "finstere religiöse Ideologie, die Frauen herabwürdigt, passt nicht zu unserer Gesellschaft". Sein Staatssekretär Bernd Krömer erwog auch ein Verbot des Moscheevereins.

Al-Nur-Vorbeter verteidigt Imam 

Wohl unter diesem Eindruck gab die Moschee bekannt, Eila, der eigentlich bis Ende Februar in Neukölln predigen sollte, werde dort nicht mehr auftreten. Der Vorbeter Sheikh Nasser El-Issa, verteidigte allerdings den Imam. Dieser habe den Männern lediglich geraten, Eheprobleme zu vermeiden und sich mehr um ihre Frauen zu kümmern, selbst wenn es ihnen nicht gut geht, sagte er dem RBB. Es gebe es in der Moschee auch keine "Hasspredigten". Allerdings schränkte er ein: "Wenn der Imam auf der Kanzel steht, haben wir keinen Einfluss mehr auf das, was er sagt."

Das Geschehen in der Al-Nur-Moschee fällt in eine Zeit großer Sorge vor islamistischen Terror in Europa. Nicht erst seit den Anschlägen auf das französische Satire-Magazin Charlie Hebdo wächst die Furcht vor Kriegsheimkehrern aus Syrien und dem Irak, die hier Anschläge verüben könnten. Parallel dazu breiten sich auch Angst und Vorurteile gegenüber dem Islam aus. Die islamskeptischen bis -feindlichen Pegida- und Legida-Demonstrationen in Dresden und Leipzig hatten über Wochen hinweg Zulauf von Zehntausenden.