In der südkoreanischen Talkshow "Ungewöhnliches Gipfeltreffen" diskutieren junge ausländische Männer, die in Südkorea leben und fließend Koreanisch sprechen, über ihre Kultur und Gesellschaft. Seit Juli 2014 läuft das Format auf dem Kabelsender JTBC. Der 29-jährige Daniel Lindemann aus Langenfeld repräsentiert in der Sendung Deutschland und gehört mittlerweile zu den beliebtesten Promis im Land.

ZEIT ONLINE: Herr Lindemann, Ungewöhnliches Gipfeltreffen ist zurzeit eine der beliebtesten Fernsehsendungen in Südkorea. Können Sie den deutschen Lesern das Format erklären?

Daniel Lindemann: Wir sind zwölf Jungs aus verschiedenen Ländern und drei koreanische Moderatoren. Die Sendung ahmt quasi die Vereinten Nationen nach und wir diskutieren ernsthaft, manchmal streiten wir uns auch, aber es ist alles im lustigen Rahmen gehalten. Es ist ein Nachfolger der Sendung Geplauder der schönen Frauen, wo sich zum ersten Mal Ausländer im koreanischen Fernsehen auf Koreanisch unterhalten haben. Das waren alles Frauen, ein Smalltalk. Sie unterhielten sich zum Beispiel darüber, wie es war, zum ersten Mal in Korea Kimchi zu essen.

ZEIT ONLINE: In jeder Sendung wird ein prominenter Gast eingeladen, der eine Frage mitbringt. Jeder Kandidat erzählt dann, wie in seinem Land damit umgegangen wird. Welche Themen sind das?

Lindemann: Es sind große Themen, Altersvorsorge oder Diskriminierung zum Beispiel. Eine Prominente sagte zum Thema Ehe: "Ich bin dreißig Jahre alt und meine Familie und Verwandten sagen, ich soll heiraten. Aber trotz meines Alters habe ich keine Lust dazu." Dann wird darüber diskutiert, warum wir sie in ihrer Meinung unterstützen oder nicht. Und über die Situation in unseren Ländern.

ZEIT ONLINE: Welches Thema war für Sie bis jetzt am eindrucksvollsten?

Lindemann: Ich hatte in Korea zwei, dreimal die Erfahrung gemacht, dass ein Taxifahrer, als er erfuhr, dass ich aus Deutschland komme, sagte, er fände Hitlers Soldatenuniform super, und das sei ein starker Mann gewesen. Ich sagte am Ende einer Sendung: "Manche Koreaner denken, dass Hitler ein starker Führer gewesen ist. Ich fände es aber gut, wenn solche Kommentare nicht mehr fallen würden. Weil er aus deutscher Perspektive der schrecklichste Mensch gewesen ist, den man sich vorstellen kann."

Am nächsten Tag, war das auf Platz eins in den Nachrichten. Die Koreaner waren total beeindruckt davon, dass ein Deutscher sagt, sein Land hat was falsch gemacht. Da habe ich gemerkt: Unsere Sendung ist bedeutsam.

ZEIT ONLINE: Wie bereiten Sie sich auf die Sendung vor?

Lindemann: Von unseren Autoren bekommen wir das Thema und einen Fragebogen zugeschickt. Wir recherchieren dann, bilden uns eine Meinung und begründen sie. Die Autoren schreiben dann auf der Basis von unseren Antworten das Drehbuch. Aber das Drehbuch gibt nicht alles vor, was wir in der Sendung sagen, sondern funktioniert wie ein roter Faden. Wir vom Ungewöhnlichen Gipfeltreffen lieben Korea, aber wir nehmen kein Blatt vor dem Mund.

ZEIT ONLINE: Sie haben Koreanistik in Bonn studiert und sind nach Seoul gegangen, um noch mehr über Südkorea zu erfahren. Und nun sitzen Sie in einer Fernsehsendung und erklären den Südkoreanern, wie Deutschland ist. Wie sehr sind Sie bei den Diskussionen Daniel Lindemann, wie sehr der "deutsche Repräsentant"?

Lindemann: Ich sage natürlich meine Meinung. Ich sehe mich nicht als typischen Deutschen, aber im Ausland entwickelt man schon einen gewissen Patriotismus. Daher versuche ich, Deutschland so gut es geht zu vertreten. Man merkt, dass Deutschland weltweit ein sehr gutes Image hat. Auch in Korea.