Die französische Polizei und Einsatzkräfte der Bergwacht bereiten sich auf ihren Einsatz an der Absturzstelle vor. © Jean-Paul Pelissier/Reuters

Die aktuellen Ereignisse zum Germanwings-Absturz lesen Sie in unserem Live-Blog.

In Südfrankreich ist ein Airbus 320-211 der Lufthansa-Tochter Germanwings abgestürzt. Die Maschine war von Barcelona nach Düsseldorf unterwegs, als sie zwischen den Orten Digne und Barcelonnette in den südlichen Alpen verunglückte, hieß es. Sie war am Morgen, aus Düsseldorf kommend, um 8.57 Uhr mitteleuropäischer Zeit in Barcelona gelandet. Um 10 Uhr hob sie wieder Richtung Düsseldorf ab. An Bord befanden sich offiziellen Angaben zufolge 144 Passagiere, zwei Piloten und vier Crewmitglieder. Der Sprecher der Geschäftsführung von Germanwings, Thomas Winkelmann, sprach von 67 Deutschen an Bord. Diese Zahl könne sich noch ändern.

Das Flugzeug hatte seine Reiseflughöhe um 10:45 Uhr erreicht, teilte Winkelmann mit. Nach nur einer Minute habe die Maschine diese Höhe wieder verlassen und sei aus unbekannten Gründen in einen Sinkflug eingetreten. Dieser habe acht Minuten gedauert. Dann sei der Kontakt zur französischen Flugsicherung abgebrochen und das Flugzeug verunglückt, sagte Winkelmann. Widersprüchliche Informationen gibt es laut Germanwings dazu, ob die Piloten einen Notruf absetzten oder nicht.

Die Unglücksmaschine war mehr als 24 Jahre alt und damit einer der ältesten Airbusse. Sie war nach Winkelmanns Angaben im Jahr 1991 an die Lufthansa ausgeliefert worden und seit Januar 2014 bei der Tochtergesellschaft Germanwings im Einsatz. Zwischenzeitlich war der Jet mit 147 Sitzplätzen und der Kennung D-AIPX unter dem Städtenamen Mannheim unterwegs. Ihren Jungfernflug hatte sie am 29. November 1990.

Der letzte Routinecheck sei laut Winkelmann am gestrigen Montag in Düsseldorf durchgeführt worden, der letzte "große Check" im Sommer 2013. Dies entspreche den Vorschriften der Airbus-Handbücher.

Der Pilot sei seit zehn Jahren für Lufthansa und Germanwings im Einsatz und habe mehr als 6.000 Flugstunden in Flugzeugen vom Typ Airbus absolviert, sagte Winkelmann.

Das Flugzeug war auf der für diesen Flug üblichen Route unterwegs. Die Wetterlage war ruhig, der Himmel wolkig.

Nach übereinstimmenden Angaben von Germanwings, der französischen Regierung und der Polizei vor Ort gibt es keine Überlebenden. Auf der Passagierliste steht auch eine Schülergruppe aus Nordrhein-Westfalen: 16 Schüler und zwei Lehrer seien auf einem Schüleraustausch in Spanien gewesen, sagte ein Sprecher. 

Nach Angaben der Regierung in Madrid sollen auch 45 Spanier an Bord gewesen sein. Der spanische Regierungschef Mariano Rajoy zeigte sich schockiert. "Wir arbeiten eng mit den französischen und deutschen Behörden zusammen", schrieb er auf Twitter.

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich "tief erschüttert" über den Absturz. Sie werde morgen gemeinsam mit Hannelore Kraft, der Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, zur Absturzstelle reisen. Der Absturz sei ein Schock. Noch sei vieles unklar, daher verbiete es sich, über die Ursache zu spekulieren, sagte Merkel.

Hollande sagte: "Es ist eine Tragödie auf unserem Boden". In einem Telefonat mit Merkel sicherte er seine Hilfe zu. In Frankreich ist es der erste Flugzeugabsturz dieser Art seit dem Unglück der Concorde.

Die Absturzstelle liegt in dem schwer zugänglichen, verschneiten Bergmassiv Trois Évêchés in den französischen Alpen. Der Unglücksort im Gebirgsmassiv von Estrop sei "für Fahrzeuge nicht zugänglich", sagte Verkehrs-Staatssekretär Alain Vidalies. Das Gebiet habe aber mit einem Helikopter überflogen werden können. Nach Angaben des Innenministeriums in Paris wurden in der Gebirgsregion in etwa 2.000 Meter Höhe Trümmer der Maschine gesichtet.

Die deutsche Botschafterin in Paris, Susanne Wasum-Rainer, und Innenminister Bernard Cazeneuve sind laut Élysée-Palast zum Unglücksort unterwegs. Auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und Außenminister Frank-Walter Steinmeier machten sich auf den Weg, ebenso Fachleute der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung.

Das Auswärtige Amt in Berlin richtete einen Krisenstab ein und schaltete eine Hotline unter 030-5000 3000. Steinmeier sagte, "unsere Gedanken sind bei denjenigen, die darum fürchten müssen, dass ihre Angehörigen unter den Opfern sind". Auch die katalanische Regionalregierung richtete einen Krisenstab ein.

Die Unfallursache ist noch unklar. Ein Sprecher des Flughafens Düsseldorf sagte, man habe sofort nach Bekanntwerden des Unfalls einen Krisenstab einberufen, Notfallseelsorger kümmerten sich um die Angehörigen.

Die Lufthansa versicherte den Angehörigen der Opfer ihre Anteilnahme. Man hoffe noch, Überlebende zu finden, twitterte Konzernchef Carsten Spohr. "Wir sind in Gedanken bei denen, die heute Menschen, die sie lieben, verloren haben", sagte er in der Frankfurter Unternehmenszentrale. Er sprach von einem "schwarzen Tag für die Lufthansa". Die betroffenen Unternehmen setzten die Titelbilder ihrer Twitter- und Facebook-Accounts auf schwarzweiß.

Man werde den Angehörigen jede erdenkliche Hilfe anbieten, sagte Spohr, der nach eigenen Angaben noch heute mit Mitgliedern der Bundesregierung zu der Absturzstelle reisen wird.

Das Signal der Maschine mit der Flugnummer 4U9525 ging um 10.41 Uhr in einer Höhe von 6.800 Fuß (2.072 Meter) verloren, wie Flightradar zeigt

Germanwings - Die Flugroute von 4U9525 Auf der Website www.flightradar24.com ist die Flugroute der abgestürzten Germanwings-Maschine verzeichnet gewesen.

Der Flugzeughersteller Airbus sicherte zu, die Situation schnellstmöglich zu analysieren. "Sobald wir mehr Informationen haben, machen wir das bekannt", sagte eine Sprecherin. Der Airbus A320 ist das erfolgreichste Airbus-Modell. Von dem Mittelstrecken-Jet sind weltweit fast 3.700 Maschinen im Einsatz.

Germanwings verwies für weitere Informationen zum Unglück in Tweets auf seine Website, die derzeit aber wegen einer Vielzahl von Zugriffen nur eingeschränkt erreichbar ist.  

Betroffene können sich beim Flughafen Düsseldorf an die Hotline 0800-7766350 wenden. Das Auswärtige Amt gibt Auskunft unter 030-5000 3000, Germanwings unter 0800-1133 5577. Um 15 Uhr wird die Fluggesellschaft eine Pressekonferenz abhalten.