Die Blockupy-Proteste in Frankfurt galten bislang als Aktion der politischen Linken – doch auch Rechtsextreme haben sich an den Protesten beteiligt. In wie weit sie auch für Straftaten in Frankfurt verantwortlich sind, prüft nach Angaben des Spiegelnun der Verfassungsschutz: Es gab während der Proteste Angriffe auf einen türkischen Imbiss und eine Flüchtlingsunterkunft. Die Polizei hat dem Bericht zufolge bislang keine Erkenntnisse über Gewalttaten von Rechtsextremen, hatte vorher aber Hinweise auf ihre Teilnahme.  

Dass sich Neonazis an den Blockupy-Protesten beteiligt haben, ist unumstritten. Im Internet riefen zahlreiche nationalistische Gruppierungen zur Teilnahme auf, etwa auf der Internetseite fight-ecb.cf, die vom sogenannten antikapitalistischen Kollektiv betrieben wird. Dabei wurden den rechtsextremen Anhängern Ratschläge für die Demonstration gegeben. Auch solche, um sich vor Erkennung zu schützen: "Einige Gruppen werden ohne nationalistische Symbolik an der Demo teilnehmen, um möglichst lange innerhalb dieser zu bleiben, solltet ihr diese erkennen, so grüßt sie bitte nicht", heißt es auf der Website. 

Führend bei der Organisation und Vernetzung der rechtsextremen Blockupy-Proteste war das Freie Netz Hessen, nach eigener Aussage eine "Vernetzungsplattform volkstreuer Gruppen, Parteien und Vereine". Über Twitter verbreitete die Gruppe Aufrufe und Bilder von den Protesten, die die Teilnahme von "Autonomen Nationalisten" und "Kameraden" dokumentieren. Auch die Nationalen Sozialisten Rhein-Main waren in Frankfurt nach eigenen Angaben dabei. Wie viele Rechtsextremisten insgesamt dort waren, ist unklar.

Angriffe auf türkische Läden

Der hessische Linken-Abgeordnete Ulrich Wilken, Mitanmelder der Blockupy-Demonstration, bestätigte ZEIT ONLINE die Teilnahme von Rechtsextremen, die immer wieder aufgefallen seien. "Ich habe wiederholt Ordner angewiesen, Leute zu entfernen, die nationalistische Sprüche gerufen oder auf Transparente geschrieben hatten." Wilken war an der Spitze des Demonstrationszuges gelaufen. Von Straftaten oder Angriffen auf linke Demonstranten habe er nichts mitbekommen. Er habe nur Augenzeugenberichte von Angriffen auf türkische Läden und das katholische Kolpinghaus gehört.

Auch auf Twitter dokumentierten die Neonazis ihre Teilnahme und brüsteten sich mit – auch gewalttätigen – Aktionen: "Nächste Reisegruppen in der Stadt. Erste Auseinandersetzungen zwischen Antifa und Nationalisten", heißt es da etwa. Auf Facebook distanzierten sich die Gruppen zwar von Gewalt gegen Polizisten. Angriffe auf Linke werden in den Diskussionen deutlich weniger kritisch gesehen. Dem Spiegel zufolge kam es laut Beobachtern mehrmals zu "Scharmützeln" zwischen linken Demonstranten und Angehörigen der rechtsextremen Autonomen Nationalisten.

Wilkens Eindruck zufolge ging es den Rechtsextremen vor allem um die Störung der Demonstration. Ihre Parolen seien vor allem nationalistisch, nicht antikapitalistisch gewesen. 

Mobilisierung mit Antikapitalismus

Die Rechtsextremen setzen allerdings stark auf die Mobilisierung durch antikapitalistische Slogans und sind dabei auch europaweit vernetzt: "Europäische" Kameraden wurden in Frankfurt gemeldet, Aufrufe zum Protest wurden unter anderem auf deutsch, englisch, italienisch, griechisch, französisch, niederländisch und bulgarisch veröffentlicht. Parolen, Materialien und Erscheinungsbild gleichen dabei stark denen der linken Demonstranten, was offenbar gewollte Taktik der Neonazis ist. Und wie die linken Gruppen kritisieren die Rechtsextremen "Austeritätszwang" und die EZB-Krisenpolitik, ihre Aufrufe gleichen denen der Linken an vielen Stellen in der Kritik am System. Die Ziele der Rechtsextremen sind allerdings deutlich andere – unter anderem ein nationaler Sozialismus, die "Befreiung des deutschen Volkes" und der Austritt aus der "völkerfeindlichen Währungsunion".

Auf der Facebook-Seite des "Antikapitalistischen Kollektivs Hessen" wurden seit Längerem Aufrufe zum Protest und zu Anti-EZB-Kampagnen veröffentlicht. Anfang März veranstaltete die Gruppe ein "antikapitalistisches Plenum" in Frankfurt, um "die verschiedenen Strömungen der nationalen Bewegung" zu vernetzen und die Aktionen am 18. März in Frankfurt vorzubereiten. Die Redner des Treffens kamen unter anderem von den Jungen Nationalisten und der NPD. "Nationalistischer Antikapitalismus" oder "nationaler Sozialismus" sollen auch nach dem Protest in Frankfurt wichtiges Thema der Gruppierungen bleiben.