Blockupy-Nachlese: Frankfurt kommt nach Straßenschlachten zur Ruhe

Am Morgen flogen Steine und brannten Autos, am Abend endeten die Blockupy-Proteste gegen die EZB weitgehend friedlich. Die Ereignisse von Frankfurt in der Nachlese

Bei schweren Auseinandersetzungen zwischen Aktivisten der kapitalismuskritischen Blockupy-Bewegung und der Polizei sind am Morgen in Frankfurt mindestens 200 Menschen verletzt worden. Anlass für die Proteste war die Eröffnung des Neubaus der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Polizei setzte Wasserwerfer, Tränengas und Schlagstöcke gegen Randalierer ein und nahm 15 Personen fest.

Am Nachmittag fand auf dem Frankfurter Römer eine zentrale Kundgebung mit etwa 10.000 Teilnehmern statt, seitdem ist es in der Innenstadt weitgehend friedlich geblieben. Um 17 Uhr startete ein Demonstrationszug durch die Innenstadt bis zum Opernplatz. Von dort löste sich der Zug langsam auf. Vereinzelt wurden Bengalos gezündet und Steine geworfen – kein Vergleich zu den Ereignissen am Morgen.

Mit den Ausschreitungen in Frankfurt wird sich am Donnerstag der Bundestag beschäftigen. Die Bundesregierung sowie zahlreiche Bundes- und Landespolitiker verurteilten die Gewalt. Selbst die Blockupy-Organisatoren zeigten sich schockiert: Mit einem solchen Ausmaß hätten sie nicht gerechnet, sagte ein Sprecher der Aktivisten.

Das öffentliche Leben in der Stadt wurde durch die Proteste massiv eingeschränkt. Straßen wurden gesperrt, der gesamte Straßenbahnbetrieb und auch der Betrieb einer U-Bahn-Linie teilweise eingestellt. Schüler konnten zum Teil früher nach Hause gehen.

Lesen Sie die Ereignisse des Tages in unserem Live-Blog nach.

  • 18.05 Die Polizei hat die Zahl der verletzten Beamten nach oben korrigiert. 94 Polizisten seien bislang verletzt worden, sagte eine Sprecherin. 80 von ihnen hätten Reizgas abbekommen, seien aber nach kurzer Zeit wieder dienstfähig gewesen. 14 weitere Beamte hätten durch Steine oder Tritte unter anderem Platzwunden erlitten. Zudem wurden zwei Feuerwehrleute verletzt. Auf der Seite der Aktivisten seien laut einer Zählung vom Mittag mehr als 130 Menschen verletzt worden, teilte das Blockupy-Bündnis mit. Hauptgrund seien Schlagstock- und Tränengaseinsätze der Polizei gewesen.

  • 17:55 "Das hatten wir alles schon viel schlimmer erlebt": Der Polizeiforscher Rafael Behr erklärt im ZEIT-ONLINE-Interview, warum die Proteste von heute keine neue Qualität haben – die Polizei aber ihren Nutzen daraus zieht.

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