Die Düsseldorfer Polizei hat für Ermittlungen zum Germanwings-Absturz eine der größten Sonderkommissionen seit Jahrzehnten gebildet. Wie die Rheinische Post unter Verweis auf Ermittlerkreise berichtet, besteht das Team mit dem Namen "Alpen" aus mehr als Hundert Beamten. Sie sollen die Lebensumstände des Copiloten Andreas Lubitz ermitteln sowie in ganz Deutschland Indizien sammeln, um die mehr als 70 deutschen Opfer des Unglücks zu identifizieren. Nach Angaben des Polizeisprechers ist es "einer unserer größten Ermittlungseinsätze seit Jahrzehnten". Die Kollegen seien extrem gefordert, so Andreas Czogalla.

Die Polizisten besuchen meistens gemeinsam mit Seelsorgern oder Psychologen die Angehörigen der Opfer und deren Wohnungen, um nach persönlichen Erkennungszeichen wie Tätowierungen oder Zahnersatz zu fragen und gleichzeitig in Haarbürsten oder anderswo nach genetischen Spuren zu suchen. "Wir suchen Haut- und Haarpartikel", sagte ein Ermittler der Zeitung. Das Bundeskriminalamt würde dann den genetischen Code bestimmen und diese Daten den französischen Kollegen zum Abgleich schicken.

Wie der Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin, mitteilte, haben die Ermittler inzwischen die DNA von 78 Menschen gesichert. Diese werden zur Identifizierung der Toten auch mit DNA-Proben von Familienangehörigen abgeglichen.

Lockerung der Schweigepflicht für Ärzte im Gespräch

Unterdessen regten einige Politiker eine Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht für sensible Berufe an. "Piloten müssten zu Ärzten gehen, die vom Arbeitgeber vorgegeben werden", zitiert die Rheinische Post den CDU-Verkehrsexperte Dirk Fischer. Diese Ärzte müssten gegenüber dem Arbeitgeber und dem Luftfahrtbundesamt von der ärztlichen Schweigepflicht entbunden sein, sagte Fischer. Fischer war bis 2014 Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag und ist derzeit Ausschussmitglied. 

Ähnlich argumentiert auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Wenn Leib und Leben anderer Personen gefährdet seien, "ist der Arzt verpflichtet, den Arbeitgeber über die Arbeitsunfähigkeit des Mitarbeiters zu informieren", sagte Lauterbach der Bild-Zeitung. "Dies gilt ganz besonders im Fall psychischer Erkrankungen und einer möglichen Selbstmordgefahr."

Widersprüchliche Angaben gibt es darüber, welche Kenntnisse das Luftfahrtbundesamt (LBA) und die Lufthansa zum Gesundheitszustand des Copiloten hatten. Wie die Welt berichtet, hatte die Fluggesellschaft offenbar keine Informationen darüber, dass die medizinischen Akten von Andreas Lubitz beim LBA einen SIC-Vermerk hatten. Einen solchen Vermerk haben Piloten, wenn sie wegen einer chronischen Erkrankung regelmäßig betreut werden müssen. Die Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires hatte am Freitag gemeldet, die Akten von Lubitz würden einen solchen Vermerk beinhalten.

Sollte die Fluggesellschaft nichts von dem Verweis gewusst haben, könnte dies ein Versäumnis der Lufthansa darstellen. Weder das LBA noch die Lufthansa wollten sich zu dem Sachverhalt äußern.

Den Daten des Stimmrekorders der verunglückten Maschine zufolge war der Copilot zum Zeitpunkt des Absturzes allein im Cockpit. Bestätigt ist, dass er für den Tag des Flugs eigentlich krank geschrieben war.