Joachim Möhler (links) mit einem iranischen Asylbewerber vor der Unterkunft in Perba ©ZEIT ONLINE

Der Rentner Joachim Möhler, den alle nur Achim nennen und der auch im Winter eine dunkle, selbsttönende Brille trägt, deutet jetzt mit der Hand hinüber zu den Ausländern. Zu den rauchenden Kosovaren und den Kindern auf den kleinen Fahr- und Dreirädern, zu den Frauen mit den Händen in den Jackentaschen und den dunkelhaarigen Mädchen, zu seinen Asylfamilien. Er sagt: "Das sind alles Europäer, die wissen sich zu bewegen. Da passt einfach alles." Dann nickt er zweimal zur Anerkennung der europäischen Bewegungsfähigkeit seiner neuen Nachbarn, er zündet sich seine Pfeife an und verkündet: "Also, wenn es nach mir geht, dann sollen die alle hierbleiben."

Es ist die Asylwende des Achim Möhler. Und mit ihm die seines Dorfes Perba.   

170 Menschen leben in den paar Dutzend Häusern, gelegen in der Lommatzscher Pflege, einer Landschaft aus grünen Hügeln, Feldern und Obstbäumen westlich von Meißen. Die meisten Beschreibungen Perbas, und davon gab es in den vergangenen Wochen viele, beginnen damit, was es hier nicht gibt: Geschäfte, Kneipen, Vereine. Und Ausländer. Dafür einen Plattenbau mit 18 Wohnungen, von denen nur noch wenige belegt sind.

Die konnte Ulrich Zimmermann, der stellvertretende Landrat, gut gebrauchen. Er sucht schon seit zwei Jahren nach neuen Unterkünften für Asylbewerber, spätestens, seit die Zahlen im vergangenen Jahr stiegen. Im vergangenen Herbst erfuhren die Perbaer davon. 50 junge tunesische Männer, hieß es, könnten in ihr Dorf ziehen.

"15 lassen wir rein, 50 Nein!"

Das war den Perbaern zu viel. Viel zu viel. Auf einer Bürgerversammlung beschimpften sie den Dezernenten, "Sie können sich ja nicht vorstellen, was dann los war", erzählt Zimmermann. Wir wollen ein deutsches Dorf bleiben, habe einer gerufen. Auch Achim Möhler, der zusammen mit der Familie seines Sohnes in Perba wohnt, wollte die Asylbewerber nicht. Weil er gerne mit den Journalisten und auf öffentlichen Veranstaltungen redete, wurde er zum inoffiziellen Dorfsprecher. Sie sammelten Unterschriften für eine Petition an den Landtag und schrieben Briefe an die Regierung, den Bundesinnenminister. Und sie malten Sprüche auf Bettlaken und hängten sie an den Zaun vor dem Gebäude: "Kein Modellprojekt Perba auf unserem Rücken" stand dort, oder "15 lassen wir rein, 50 Nein!"

Sie hatten eine Kennziffer für ihre Aufnahmebereitschaft gefunden. Auf zehn Perbaer knapp ein Ausländer. Drei Familien hätten sie gerne gehabt, vielleicht auch vier, am liebsten von nicht zu allzu weit weg.

Das Dorf organisierte Fahrgemeinschaften nach Dresden und lief montags mit bei Pegida. "Uns bleibt keine andere Wahl", sagte Möhler damals. Er wurde zum Muster-Pegidisten. Weil er ganz allgemein auf die Politik schimpfte ("Scheindemokratie") und ganz konkret Angst hatte vor Ausländern vor seiner Haustür. Möhler machte mit bei den Dialogversuchen von Politikern mit Pegida, er erzählte von seinen Sorgen und alle hörten zu. Das ARD-Magazin Kontraste kam nach Perba zu Besuch, der MDR gleich mehrmals, es gibt Texte über Möhler in dänischen und irischen Zeitungen und die Lokalzeitung ist sowieso voll mit dem Thema. Bald stand Perba wie kein anderer Ort für die chaotische Asylpolitik in Sachsen – und für die Probleme der Sachsen mit Asylbewerbern.