Jetzt ist sie also beschlossen, die Frauenquote. In den Aufsichtsräten von etwas mehr als 100 börsennotierten Unternehmen müssen künftig 30 Prozent Frauen sitzen. Das klingt gut. Bis man die Gegenrechnung aufmacht: 70 Prozent der Stühle bleiben von Männern besetzt.

Natürlich ist diese Quote ein Erfolg für die Gleichberechtigung. Ein historischer Moment. Und gleichzeitig ist es armselig, dass sie schon als Erfolg gilt.

Die Quote betrifft nur die Aufsichtsräte von 108 Unternehmen. Gremien, die nur ein paar Tage im Jahr zusammenkommen. Und die müssen frei werdende Posten ab 2016 solange mit Frauen besetzen, bis die Quote erreicht ist. Findet sich keine passende Frau, bleibt der Posten frei.

Die Ängste mancher Männer, wegen der Quote nicht mehr befördert zu werden, sind also völlig unbegründet: Denn wen diese Unternehmen auf ihre Manager- und Vorstandsposten setzen, bleibt ihnen  freigestellt. Auf niedrigeren Führungsebenen sowieso.

Zwar sollen nach dem neuen Gesetz auch die etwa 3.500 mittelgroßen Unternehmen eine Frauenquote in Aufsichtsräten und sogar in ihren Vorständen erfüllen. Wie hoch diese Quote ist, dürfen sie sich aber selbst aussuchen. Sie müssen sie nur veröffentlichen, damit der Erfolg überprüft werden kann. Sollten sie ihre Wunschquote mal verpassen, ist das auch nicht schlimm: Sanktionen sind nicht vorgesehen. Ganz so, wie es die frühere Familienministerin Kristina Schröder mit ihrer Flexi-Quote wollte.

Man sollte die Gesetzesdetails also lieber nicht allzu genau betrachten. Zu schnell wird offensichtlich, dass das, was der Bundestag unter dem Label Frauenquote beschließt, nur ein erster, winziger Schritt ist. Immerhin in die richtige Richtung.

Männer-Netzwerke aufbrechen

Es wird Frauen geben, die nun auf Posten kommen, auf die sie ohne die Quote nicht gelangt wären. Genau für sie ist diese Quote da: Das Old-Boys-Netzwerk aufzubrechen und dafür zu sorgen, dass Chefs nicht immer nur diejenigen befördern, mit denen sie Bier trinken gehen. Menschen umgeben sich gerne mit Menschen, die ihnen ähnlich sind – Chefs bilden da keine Ausnahme. Die Quote zwingt sie, auch außerhalb ihres engsten Netzwerks nach geeigneten Mitarbeitern zu suchen. 

Manche von diesen Frauen werden scheitern, so wie Männer vor ihnen gescheitert sind. Das ist ein annehmbarer Preis des Fortschritts. Denn dass sich das mit der Gleichberechtigung am Arbeitsplatz von alleine erledigt, ist utopisch. Ein kleines Beispiel: Seit 1977 brauchen Frauen immerhin nicht mehr die Erlaubnis ihres Ehemannes, um einen Arbeitsvertrag abzuschließen. Bis sich die erste Frau in den Vorstand eines der 30 stärksten Dax-Konzerne vorgearbeitet hatte, dauerte es aber 27 Jahre, bis 2004.

Inzwischen haben wir sogar eine Bundeskanzlerin. Wer jetzt aber eine Machtübernahme der Frauen fürchtet, findet hier ein paar beruhigende Fakten:

13 von 16 Bundesländer werden von Männern regiert.

10 von 15 Ministerposten der Bundesregierung sind von Männern besetzt.

Von 16 großen Redaktionen werden 14 von einem Chefredakteur geführt.

Von den 160 im Dax, MDax, SDax und TecDax notierten Unternehmen hatten 116  im September 2014 einen rein männlich besetzten Vorstand.

In 78 Prozent aller Hetero-Beziehungen in Deutschland ist der Mann der Hauptverdiener.

Fast 80 Prozent aller Professuren sind von Männern besetzt.

Mehr als 90 Prozent aller Führungspositionen in der Medizin werden von Männern gehalten.

Für manchen sind diese Fakten aber vielleicht ein Grund mehr, sich wieder an die Arbeit zu machen.


Hinweis: Eine frührere Version enthielt einen Tippfehler. Richtig ist: Es werden 13 und nicht nur 10 Bundesländer von Männern regiert.