Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen geht die Suche nach den Opfern weiter. Ermittler hätten inzwischen die DNA von 78 Menschen gesichert, sagte der Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin. Diese solle zur Identifizierung der Toten mit DNA-Proben von Familienangehörigen abgeglichen werden.

Ein zentraler Baustein zur Ursachen-Klärung des Airbus-Absturzes ist nach wie vor verschollen: der zweite Flugschreiber. "Er wurde immer noch nicht gefunden", sagte Robin am Sonntag. Die Ermittler erhoffen sich von den darauf gespeicherten Flugdaten Aufschluss darüber, was an Bord des Germanwings-Airbus geschah, bevor er mit 150 Menschen an Bord an einem Bergmassiv nordöstlich von Marseille zerschellte.

Nach Angaben eines Luftanhansa-Managers ist das Auffinden des zweiten Flugschreibers außerordentlich schwierig. "Es könnte sein, dass die Belastung hier zu groß war und er keine Signale sendet", sagte Kay Kratky am Sonntagabend in der ARD-Talkshow Günther Jauch. Die Maschine sei mit Tempo 800 und damit mit unvorstellbarer Wucht an dem Bergmassiv zerschellt und nahezu pulverisiert worden. Der zweite Flugschreiber werde aber gebraucht, um sich ein genaues Bild vom Hergang zu machen. 

Fahrweg wird angelegt

Bis Montagabend soll ein Fahrweg für Geländefahrzeuge zur schwer zugänglichen Unglücksstelle angelegt werden, sagte Staatsanwalt Robin. Bislang ist die abgelegene Gegend nur per Hubschrauber oder Fußmarsch erreichbar. Die Fahrstraße soll die Bergung größerer Trümmerteile erleichtern, die nur schwer per Helikopter transportiert werden können.  

Die Polizei richtete in Seyne-les-Alpes unweit der Absturzstelle ein Labor ein, wie das Kriminalitäts-Forschungsinstitut der National-Gendarmerie bekannt gab. Dort arbeiteten rund 50 Experten, darunter Rechtsmediziner. Ziel sei es, die sterblichen Überreste der Opfer so rasch wie möglich an die Angehörigen zu übergeben.

"Wir haben noch keine Opfer identifiziert, sondern DNA-Spuren", sagte Robin auf die Frage, ob bereits sterbliche Überreste des Copiloten der Unglücksmaschine identifiziert wurden. Bisher seien die gefundenen DNA-Informationen noch nicht mit denen der Familien verglichen worden. Wenn die Toten wie erhofft in den kommenden sieben Tagen geborgen würden, wollten die Ermittler in einer zweiten Phase dann Wrackteile sichern, die für die Recherchen nötig seien.

Suche nach Hinweisen

Nach bisherigen Erkenntnissen brachte der Copilot Andreas Lubitz die Maschine mutwillig zum Absturz. Warum – darauf haben die Ermittler noch keine Antwort geben können. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hatte am Freitag lediglich erklärt, man habe in der Wohnung des Mannes "zerrissene, aktuelle und auch den Tattag umfassende Krankschreibungen" gefunden. Frühestens am Montag will die Behörde weitere Ermittlungsergebnisse bekanntgeben. 

Der 27-Jährige aus Montabaur hat seinem Arbeitgeber Germanwings nach Erkenntnissen der Ermittler eine Erkrankung verheimlicht. Die Fahnder suchten nach Hinweisen auf ein psychisches Leiden. Sie fanden weder einen Abschiedsbrief noch ein Bekennerschreiben. Für Berichte, wonach Lubitz an starken psychischen Problemen und auch Sehstörungen gelitten haben soll, war bis Sonntag keine Bestätigung der Behörden zu erhalten.

Französische Ermittler untersuchen weiterhin auch die Möglichkeit eines technischen Defekts der Germanwings-Maschine.